Herbert Grönemeyer bei einer Demo für die Veranstaltungswirtschaft September in Berlin. Foto: imago images

Nachdem die Kulturschaffenden in Deutschland aufgrund von Corona-Maßnahmen um ihre Existenzen fürchten müssen, wünscht sich Herbert Grönemeyer Solidaritätszahlungen der Reichen. Wie der Musiker in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ erklärte, müsse die Gesellschaft gemeinsam gegen einen kulturellen Kahlschlag kämpfen. Grönemeyer habe auch schon genaue Vorstellungen, wie der Branche geholfen werden könnte. Er hofft auf finanzielle Corona-Hilfen der Vermögendsten.

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„Deutschland hat circa 1,8 Millionen Millionäre, und eine Gesellschaft ist eine Familie", so Grönemeyer. Der 44-jährige Musiker verwies darauf, dass sich eine Familie gegenseitig unterstützen müsse. Wie das im Detail aussehen könnte, hat Grönemeyer anschließend anschaulich dargestellt. Demnach müssten sich die Wohlhabendsten zu einer zweimaligen Sonderzahlung von zum Beispiel 50.000 bis 150.000 Euro bereiterklären. Der Sänger sei zu dem Ergebnis gekommen, dass dann in diesem wie auch im nächsten Jahr „ad hoc circa 200 Milliarden Euro pro Jahr zur Verfügung“ stehen würden. Mit diesem privaten Rettungsschirm sollen Existenzen gesichert, Pleiten aufgefangen und Ängste gemildert werden.

„Und den Familienmitgliedern wird das Gefühl gegeben, dass man ihre Sorgen sieht, dass sie ernst genommen werden und der Versuch unternommen wird, ihnen in dieser bleiernen Durchgangszeit beizustehen. Wir befinden uns nicht in einer Weltwirtschaftskrise“, so Grönemeyer.

Wenn Deutschland die Livekultur verloren gehe, öffne dies den Raum für Verblödung, krude und verrohende Theorien. Zudem bestehe die Gefahr, dass das Land nach und nach „entseelen“ würde. Neben dieser enormen Bedeutung für die Gesellschaft verwies Grönemeyer auch auf den wirtschaftlichen Stellenwert der Kulturbranche: „Der Veranstaltungsbereich ist der sechstgrößte Wirtschaftszweig Deutschlands mit 130 Milliarden Euro Umsatz", rund eine Million Beschäftigte arbeiteten hier.

Erst an diesem Mittwoch hatten zahlreiche Künstler, darunter Udo Lindenberg und Till Brönner, einen Aufruf für mehr Corona-Hilfen von Selbstständigen unterzeichnet. In dem von der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt initiierten Appell wird die Bundesregierung aufgefordert, die Belange der Solo-Selbstständigen und Freiberufler zu erhören und sie auch auf höchster Ebene gleichberechtigt mit anderen Wirtschaftsverbänden bei der Ausgestaltung und Nachbesserung von Hilfsprogrammen zu konsultieren. Die bestehenden Überbrückungshilfen müssten schnellstmöglich entbürokratisiert werden, so die Forderung der Künstler.