Aufgebrachte Inder verbrennen nach dem Grenz-Zwischenfall ein Foto des chinesischen Staatschefs Xi Jinping. dpa/Ajit Solank

Die Beziehungen der Atommächte China und Indien werden durch einen tödlichen Zwischenfall schwer erschüttert. Die indische Armee berichtet von einer „gewaltsamen Auseinandersetzung“ mit mindestens 20 toten indischen Soldaten in der umstrittenen Grenzregion Ladakh im Himalaya. Als Reaktion auf den Vorfall kam es in Indien zu wütenden Bürger-Protesten. Fotos des chinesischen Staatschefs Xi Jinping wurden öffentlich verbrannt.

Chinas Regierung bestätigt den Zwischenfall an der Grenze, macht aber keine Angaben zu eigenen Opfern. Unbestätigte indische Berichte sprechen von mehr als 43 toten oder schwer verletzten Chinesen. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking behauptet, indische Truppen hätten zwei Mal die Grenze übertreten und chinesische Soldaten „provoziert und angegriffen“. Dann sei eine „schwere körperliche Auseinandersetzung“ entstanden.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Ein Sprecher des indischen Außenministeriums erklärt hingegen, die chinesische Seite habe versucht, den „Status quo“ an der Grenze „einseitig zu verändern“. In der Folge sei es zu der Auseinandersetzung gekommen. Einem indischen Offizier zufolge fielen keine Schüsse. Die Soldaten hätten sich handgreifliche Auseinandersetzungen geliefert. Wie es heißt, trafen sich nach dem Vorfall ranghohe Offiziere beider Seiten, um die Lage zu entschärfen.

An der 3500 Kilometer langen Grenze zwischen Indien und China, deren genauer Verlauf an mehreren Stellen umstritten ist, hatten die Spannungen zuletzt stark zugenommen. Am 9. Mai wurden im indischen Bundesstaat Sikkim an der Grenze zu Bhutan, Nepal und China mehrere indische und chinesische Soldaten durch Faustschläge und Steinwürfe verletzt. Als Reaktion verlegten beide Seiten tausende Soldaten an die Grenze. 

Die USA rufen China und Indien nun zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts auf. China und Indien wollen die Lage ebenfalls nicht weiter eskalieren lassen. Nach den Worten Pekings versuche man, die Streitigkeiten über „diplomatische und militärische“ Kanäle zu beenden. (mit dpa, AFP)