Die Finanzaufsicht Bafin machte die in Turbulenzen geratene Bremer Greensill Bank AG dicht. Foto: dpa/Sina Schuldt

„Die Greensill Bank AG ist eine hoch kapitalisierte, traditionsreiche deutsche Bank. Die Sicherheit der Kundeneinlagen hat für uns oberste Priorität.“ So wirbt das Bremer Institut auf seiner Internetseite. 

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Doch jetzt ist offiziell: Das Geldhaus hat ein großes Problem. Die Finanzaufsicht Bafin machte die Tochter des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill wegen drohender Überschuldung für den Kundenverkehr dicht. Während eines solchen Moratoriums darf eine Bank keine Gelder auszahlen und Zahlungen nur entgegennehmen, wenn diese zur Tilgung von Schulden bestimmt sind. 

Sparer bekommen ihr Geld zurück

Sparer kommen in dieser Zeit nicht an ihr Geld, doch sie müssen nicht um ihr Erspartes bangen. Denn bis zu 100.000 Euro je Kunde sind über die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Sie erhalten ihr Geld im Entschädigungsfall innerhalb von sieben Werktagen zurück.

50 deutsche Kommunen müssen um Millionen Euro zittern

Für rund 50 deutsche Kommunen dagegen beginnt das große Zittern. Denn sie waren ebenfalls Kunden bei dem Geldhaus, wie das Handelsblatt berichtet. In der Gesamtsumme soll es um einen dreistelligen Millionenbetrag gehen. Allein die Stadt Monheim am Rhein könnte jetzt 38 Millionen Euro verlieren.

Strafanzeige wegen Bilanzfälschung

Im Fall, der verblüffend an die Pleite des Finanzdienstleisters Wirecard erinnert, hat die Bremer Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Die Bafin hatte Strafanzeige gestellt – der Verdacht: Bilanzfälschung. In einer forensischen Sonderprüfung hatte sie festgestellt, dass die Bank ihre Forderungen in der Bilanz teilweise nicht nachweisen kann.

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Doch wie konnte es so weit kommen? Die Greensill Bank ist ein deutscher Ableger des gleichnamigen britischen Finanzinstituts, das Unternehmen Geld vorschießt, damit diese ihre Rechnungen bezahlen können. Durch größere Kredit- und Rechnungsausfälle im Zuge der Corona-Krise ist der Mutterkonzern allerdings in schwere Turbulenzen geraten. 

Bremer Bank bot ungewöhnlich hohe Zinsen

Eine wichtige Geldquelle für den Konzern ist die Bremer Greensill Bank, die auf Plattformen wie „Weltsparen“ oder „Zinspilot“ vor allem bei Kleinsparern frisches Geld einsammelte, indem sie Tages- und Festgeldanlagen mit ungewöhnlich hohen Sparzinsen angeboten hatte. Laut einer Analyse der Ratingagentur Scope sollen Privatanleger der Bank Einlagen in Höhe von einer Milliarde Euro gebracht haben.

Bereits im vergangenen Sommer hatte es dem Vernehmen nach erste Hinweise gegeben, dass die Bankenaufseher bei der Bremer Bank genauer hinschauen sollten. Vor einigen Wochen dann schickte die Bafin einen Sonderbeauftragten an die Weser. Jetzt könnte das Bremer Geldhaus im Sog des strauchelnden Mutterkonzerns mit untergehen.