Volkswagen zahlt für pensionierte Spitzenleute am meisten. dpa/Julian Stratenschulte

Millionen für den Lebensabend: Die Dax-Konzerne verschieben einen Teil ihrer Vorstandsvergütung in die Altersvorsorge. Die Pensionszusagen haben ein Volumen von mehreren Milliarden Euro erreicht, Tendenz steigend.

So hatten sich Ende 2020 die Pensionsverpflichtungen für ehemalige Vorstandsmitglieder bereits auf knapp 3,5 Milliarden Euro summiert, wie eine dpa-Auswertung der Geschäftsberichte ergibt. Spitzenreiter ist der VW-Konzern, dessen Ex-Vorstände Anspruch auf Altersbezüge in Höhe von 396 Millionen Euro haben, gefolgt von Daimler mit 362 Millionen Euro. Addiert man die bereits erworbenen Ansprüche der derzeit aktiven Dax-Vorstände, kommen weitere gut 430 Millionen Euro hinzu.

Die Gesamtsumme ist noch höher, da nicht alle Unternehmen Angaben zur Altersvorsorge für ihre Spitzenkräfte machen, so Linde und die Munich Re. Auch ist die Altersvorsorge zum Teil nach unterschiedlichen Bilanzierungsmethoden ausgewiesen.

VW und Daimler zahlen die höchsten Altersbezüge

An den Pensionsverpflichtungen zeigt sich, dass sich die Gesamtkosten der Spitzenetage einigermaßen elegant verstecken lassen. Dabei sind die Vorstandsgehälter so hoch, dass die Spitzenmanager durchaus auf eigene Kosten für den Lebensabend vorsorgen könnten. VW-Chef Herbert Diess etwa bekam im vergangenen Jahr 7,7 Millionen Euro.

VW-Vorstandschef Herbert Diess könnte mit 7,7 Millionen Euro Jahreseinkommen auch ohne üppige Pension locker fürs Alter vorsorgen.  dpa/Carsten Koall

„Ein immer größerer Teil der Vergütung wurde in die Altersvorsorge verlagert“, kritisiert Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Aktionärsvereinigung DSW. „Das trägt zur Intransparenz bei, da die tatsächliche Höhe der Vergütung nicht mehr nachvollziehbar ist. Es spräche nichts dagegen, diesen Zopf abzuschneiden.“ Ein Verzicht auf solche Pensionszusagen würde dazu führen, dass die Fixgehälter steigen. „Doch das wäre aus unserer Sicht die bessere und transparentere Lösung“, meint Tüngler.

Jeweils über 200 Millionen haben die Deutsche Telekom, Deutsche Bank, BASF und Bayer für ihre Spitzenpensionäre zurückgelegt. Auch die Telekom ist ein teilstaatliches Unternehmen, in dessen Aufsichtsrat Finanzstaatssekretär Rolf Bösinger sitzt.

MTU und Covestro sind mit am sparsamsten

Sechs andere Unternehmen hingegen sind mit jeweils weniger als 50 Millionen vergleichsweise sparsam: der Softwarehersteller SAP, Fresenius und die mit dem Mutterkonzern verbundene Fresenius Medical Care, das Wohnungsunternehmen Vonovia, der Triebwerkshersteller MTU und das Chemieunternehmen Covestro.

Ist die Vergütung tatsächlich angemessen?

Als Begründung für die üppige Altersvorsorge dient häufig das Argument, dass es andere Unternehmen auch so machen: „Das Vergütungssystem der Vorstandsmitglieder wird vom Aufsichtsrat festgelegt und beinhaltet aktuell auch einen marktüblichen und angemessenen Beitrag zu einer betrieblichen Altersversorgung“, heißt es bei Daimler.

VW verweist darauf, dass die Pensionsrückstellungen der Volkswagen AG für die betriebliche Altersvorsorge der gesamten Belegschaft sich Ende 2020 auf rund 45,1 Milliarden Euro summierten. „Der Anteil für aktuelle und ausgeschiedene Vorstandsmitglieder liegt damit bei unter einem Prozent“, sagt ein Sprecher.

„Die Höhe der Vorstandsvergütung soll im nationalen und internationalen Vergleich angemessen und attraktiv sein.“ Mitsprache bei der VW-Altersvorsorge hat auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der im Aufsichtsrat sitzt. Die Staatskanzlei in Hannover ließ eine Anfrage unbeantwortet.