Wenn kein Gas mehr aus Russland nach Deutschland fließt – was dann? dpa/Axel Heimken

Das klingt alles gar nicht gut, was da aus der Ecke der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) kommt. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom Sonnabend, wird Gewerkschaftsboss Michael Vassiliadis ziemlich deutlich. Seiner Ansicht nach könnte es energietechnisch im Herbst ziemlich eng werden. Wegen des Ukraine-Kriegs und seiner Folgen werden Energieengpässe immer wahrscheinlicher und Deutschland sollte vorbereitet sein: „Wir alle – Bundesregierung, Unternehmen, Beschäftigte und private Haushalte – müssen uns darauf einstellen, dass es im Herbst mit der Energieversorgung sehr schwierig werden kann“.

Energie-Engpass droht! Wieviel Gas steht im Ernstfall zur Verfügung?

Und so fordert der Chef der drittgrößten deutschen Gewerkschaft ein Spitzentreffen mit allen wichtigen Akteuren aus dem Bereich Energieversorgung: „Wenn es jemals Anlass zu einem Energiegipfel unter Führung von Bundeskanzler und Wirtschaftsminister gab, dann jetzt.“ Geklärt werden müsse zum Beispiel, für welchen Zweck im Ernstfall wie viel Gas zur Verfügung stünde: „Was entfällt auf die Nutzung als Rohstoff in der Produktion, was auf Strom-, was auf Wärmeproduktion?“

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Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE. (Archivbild) dpa/Moritz Frankenberg

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Für den Fall, dass Russland den Gashahn in Richtung Deutschland zudreht oder auch wenn sich die EU ihrerseits entschlösse, kein Erdgas aus dem Osten mehr zu importieren, würde bei den dann wohl unausweichlichen Engpässen der Notfallplan Gas greifen. Er hat drei Stufen. Die erste, die Frühwarnstufe, wurde von der Bundesregierung bereits ausgerufen. In der letzten, der Notfallstufe, müsste der Staat einschreiten. Möglich wäre dann die Abschaltung von Industriekunden. Private Haushalte dagegen sind geschützt – wenn alles gutgeht, wird man wohl hinzufügen müssen.

Ein Gas-Embargo gegen Russland lehnt Vassiliadis dem Bericht zufolge weiter ab. Das geplante Öl-Embargo befürworte er jedoch, auch wenn es große Belastungen bringe. „Gerade wegen seiner Rolle in der Abhängigkeit von russischem Gas sollte Deutschland das geplante Öl-Embargo unterstützen.“ Voraussetzung sei jedoch, dass die Belieferung der ostdeutschen Raffinerien, die besonders abhängig von russischem Öl sind, auf alternativem Weg gesichert sei.