Ein Kinder- und Jugendarzt zieht den Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer in eine Spritze. Ein vollständiger Impfschutz mit zwei Dosen der Mittel von Biontech/Pfizer oder Astrazeneca verhindert einer britischen Datenanalyse zufolge sehr gut schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante des Coronavirus. dpa/Fabian Sommer

Nach einem unbeschwerten Corona-Sommer könnte die Pandemie im Herbst erneut zuschlagen. Obwohl inzwischen fast jeder zweite Deutsche mindestens einmal geimpft ist, könnte sich eine heimtückische Variante des Coronavirus ausbreiten. Damit rechnet der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach: Im Herbst werde die sogenannte Delta-Variante des Coronavirus auch in Deutschland wieder für mehr Ansteckungen sorgen. „Ich bin ganz sicher, dass wir in Deutschland auch noch die Delta-Variante bekommen werden“, sagte der Epidemiologe am Dienstagabend in der Fernsehsendung „rbb Spezial“. Das werde im Herbst zu Problemen führen.

Zwar sei die Saisonalität dieser Variante viel ausgeprägter als ursprünglich angenommen, wie eine neue Studie der Oxford-Universität bestätigt habe. Das bedeute, im Sommer sei das Risiko, sich anzustecken, viel geringer. Doch trotz gestiegener Temperaturen hatte sich die Delta-Variante gerade in Großbritannien massiv ausgebreitet. Premierminister Boris Johnson sah sich gezwungen, geplante weitreichende Öffnungsschritte zu verschieben. In Großbritannien sind bereits 61,4 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal, 44,1 Prozent vollständig geimpft. Trotz dieser Impfquote konnte sich das Virus ausbreiten. Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek sagte im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“, vor allem ungeimpfte Kinder seien in Großbritannien betroffen.

Herdenimmunität bei Erwachsenen bis Herbst möglich, doch Kinder können schwer erkranken

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach imago/Eduard Bopp

Die Variante ist laut Lauterbach in dreifacher Hinsicht problematisch: Sie sei deutlich ansteckender, führe zu einem schwereren Verlauf und sei zum Teil resistent gegen die Impfung, insbesondere wenn nur einmal geimpft wurde. „Aber ich hoffe, dass dann bei uns eben schon so viele doppelt geimpft sein werden, dass es keine so große Welle mehr gibt“, so der SPD-Gesundheitsexperte.

Die Herdenimmunität könne zwar bei den Erwachsenen bis September erreicht werden, betonte Lauterbach. Doch wenn 80 Prozent immunisiert seien, heiße das nicht, dass die restlichen 20 Prozent sich nicht mehr anstecken könnten.

Der SPD-Politiker sprach sich deshalb dafür aus, dass auch Kindern ein Impfangebot gemacht wird. „Gerade bei der Delta-Variante haben wir in England gesehen, dass von den infizierten Kindern ein Prozent so schwer erkranken, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das ist keine Kleinigkeit.“

Auch Long Covid spiele eine Rolle. „Von daher finde ich es problematisch, wenn wir uns Erwachsene durch eine Impfung schützen und die Kinder der Krankheit überlassen“, sagte Lauterbach. „Das ist nicht richtig.“

Wegen der Ausbreitung der zuerst in Indien aufgetretenen Delta-Variante wollen die Bundesländer einem Bericht zufolge strengere Einreisevorschriften durchsetzen. Dies geht aus einem Beschlussentwurf für die an diesem Mittwoch tagende Gesundheitsministerkonferenz (GMK) hervor.