Ein Patient wird in ein Flugzeug der Bundeswehr auf dem Flughafen Memmingen gebracht. Der Bundeswehr-Transport bringt Covid-Patienten im Rahmen des Kleeblatt-Konzeptes zum Flughafen Münster/Osnabrück. dpa/Peter Kneffel

Zu Beginn der Pandemie hat Deutschland Corona-Patienten aus Frankreich und Italien aufgenommen. Nun könnte es genau umgekehrt laufen: Weil Intensivkapazitäten in Deutschland bald erschöpft sein könnten, wären Patienten auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen.

Die bisherigen Verlegungen von Intensivpatienten innerhalb Deutschlands wegen der regionalen Überlastung von Intensivstationen reichen nach Ansicht des Grünen-Gesundheitsexperten Janosch Dahmen womöglich nicht aus. „Anhand der Neuinfektionszahlen müssen wir davon ausgehen, dass Hunderte Intensivpatienten verlegt werden müssen“, sagte Dahmen der „Welt am Sonntag“. „Weil der Bedarf so eklatant ansteigen könnte, werden möglicherweise auch Verlegungen in EU-Nachbarstaaten notwendig“, fügte der Bundestagsabgeordnete hinzu.

Gesundheitsexperte Dahmen fordert Gespräche mit privaten Luftrettern

Dahmen schätzt, dass bundesweit über zivile und militärische Rettungshubschrauber und Ambulanzflugzeuge gerade einmal 25 bis 50 Patienten gleichzeitig verlegt werden können. Er forderte Gespräche mit privaten Luftrettungsbetreibern über Kapazitätserweiterungen. Die Luftwaffe der Bundeswehr beteiligt sich seit Freitag erstmals an der Verlegung von Corona-Intensivpatienten innerhalb Deutschlands.

Hermann Schröder, der die Abteilung Krisenmanagement im baden-württembergischen Innenministerium sowie den Arbeitskreis Rettungswesen in der Innenministerkonferenz leitet, bestätigte, dass es bei den aktuell 80 Verlegungen lediglich um Fälle geht, „die jetzt notwendig“ seien. „Wir können es aktuell nicht ausschließen, dass Patienten auch ins Ausland verlegt werden müssen“, sagte er „Welt am Sonntag“.