Die Deutschen errichteten im 2. Weltkrieg eine Terrorherrschaft in Polen, die Millionen Menschenleben forderte. Foto: dpa/A0009_dpa/dpa

Zwei Holocaust-Forscher müssen sich nach dem Urteil eines polnischen Gerichts für Ungenauigkeiten in ihrem historischen Fachbuch entschuldigen. Eine von der Klägerin geforderte Entschädigung lehnte das Warschauer Bezirksgericht am Dienstag aber ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Professoren Barbara Engelking und Jan Grabowski hatten sich in ihrem 2018 erschienenen Buch „Dalej jest noc“  („Und immer noch ist Nacht“) mit der Vernichtung der Juden in der polnischen Provinz durch die deutschen Besatzer befasst.

Geklagt hatte die Nichte eines früheren Ortsvorstehers aus Ostpolen. Die Frau sah die Erinnerung an ihren Onkel diffamiert, weil die Historiker in ihrem Buch schreiben, der Ortsvorsteher sei mitschuldig am Tod von mehr als 20 im Wald versteckten Juden gewesen, die den Deutschen übergeben wurden.

Außerdem habe er einer jüdischen Frau ihre Habe und einen Teil ihres Besitzes abgenommen, bevor er ihr half. In einem Nachkriegsprozess sei er freigesprochen worden, nachdem diese jüdische Zeugin falsch und zu seinen Gunsten ausgesagt habe. Belege für diese Behauptungen fehlten in dem Buch.

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Die Klägerin hatte eine öffentliche Entschuldigung der Autoren und umgerechnet 22.500 Euro Entschädigung gefordert. Hinter der Klage stand die vom Staat unterstützte rechtsnationale polnische Stiftung  „Reduta. Festung des guten Namens - Liga gegen Verleumdung“.

Historiker und Holocaust-Experten weltweit hatten sich besorgt über das Verfahren geäußert. Sie befürchteten eine Einschüchterung von Forschern.