Björn Höcke hatte den Flügel offiziell für beendet erklärt.  imago/Karina Hessland

Der Mitschnitt eines Geheimtreffens dokumentiert, wie der angeblich aufgelöste rechte Flügel der AfD in Niedersachsen offenbar neu aufgestellt werden soll. Das Material liegt WDR und NDR vor. Erstmals werden so detaillierte organisatorische Strukturen offenbar, deren Existenz der Flügel bisher stets bestritt.

Geheimtreffen in Verden

Der heimlich angefertigte Mitschnitt dokumentiert drei Stunden eines brisanten Treffens von etwa 40 niedersächsischen AfD-Politikern in einem Gasthof in Verden an der Aller. Das Material wurde am 20. Februar aufgenommen und WDR und NDR zugespielt.

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Demnach waren auch mehrere Mitglieder des niedersächsischen Landesvorstandes der AfD sowie mehrere Bundestagsabgeordnete an dem Treffen aktiv beteiligt, unter anderem der frühere AfD-Landesvorsitzende Armin Paul Hampel. Bei dem Treffen ging es offensichtlich immer wieder um eine Wiederbelebung des rechtsextremen und inzwischen aufgelösten sogenannten Flügels – zumindest in der AfD in Niedersachsen.

40 AfD-Mitglieder bei Treffen beteiligt

Die Aufnahme legt nahe, dass sich der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Ex-Flügel in Niedersachsen bei besagtem Treffen eine neue Organisationsstruktur gegeben hat. Sie gleiche jener des Ex-Flügels exakt, geht aus der Aussage eines Teilnehmers hervor: „Ich beglückwünsche uns dazu, dass wir die alten Flügel-Strukturen wieder reaktiviert haben“, sagte dieser unmittelbar, nachdem die Veranstaltung mehr als ein Dutzend sogenannte Regionalkoordinatoren ernannt hatte.

Diese Parallelstrukturen gingen „zu 100 Prozent“ an den Kreisverbänden der AfD „vorbei“, müssten „konspirativ“ sein. Die so Benannten seien nun „gewählte Vertreter des patriotischen Lagers“. Ziel der neuen Strukturen sei es, „so darüber Mehrheiten zu gewinnen. Wir nennen es natürlich nicht so wie es früher hieß, wir nennen das dann irgendwie anders“.

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Erstellt hat das Material ein Parteimitglied, das sich auf die Veranstaltung eingeschleust hatte, um herauszufinden, was dort geplant werden sollte, wie er zumindest eidesstattlich gegenüber der AfD versichert hat. Die eidesstattliche Versicherung liegt auch WDR und NDR vor.

Vor gut einem Jahr hatte der Parteivorstand der AfD den Flügel dazu gedrängt, sich aufzulösen. Im Hintergrund stand die Befürchtung, zum Beobachtungsfall des Bundesamtes für Verfassungsschutz zu werden und damit weniger gute Chancen bei anstehenden Wahlen zu haben.

Flügel-Chef Björn Höcke hatte diesen daraufhin in einem Interview als „historisiert“ bezeichnet – als vergangen. Seitdem mehrten sich die Zweifel, dass sich das angeblich „lose Netzwerk“ tatsächlich aufgelöst hat. Das Tondokument nährt den Verdacht auf eine Wiederbelebung in anderem Gewand.