Bunt gefärbte Eier – aus Freilandhaltung könnten sie zu Ostern Mangelware sein. Foto: dpa/Caroline Seidel

Wegen der derzeit grassierenden Geflügelpest werden vor Ostern nach Einschätzung des Branchenverbandes in einigen Regionen die Freilandeier knapp. Aufgrund der Tierseuche dürften in vielen Orten die Hühner ihre Ställe nicht verlassen.

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Davon sei auch die Freilandhaltung betroffen, sagte der Präsident des Zentralverbandes der deutschen Geflügelwirtschaft und Vorsitzende des Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes, Friedrich-Otto Ripke, in Oldenburg: „Nach 16 Wochen Stallhaltung dürfen die Eier nicht mehr als Eier aus Freilandhaltung, sondern nur noch als Eier aus Bodenhaltung vermarktet werden.“

Seit Herbst gibt es eine von Wildvögeln ausgehende Geflügelpestwelle, vor allem mit dem hochansteckenden Virus H5N8. 14 Bundesländer sind betroffen, in mehr als 120 Beständen wurde die Geflügelpest amtlich festgestellt.

Immenser wirtschaftlicher Schaden

Der wirtschaftliche Schaden für die Branche übersteige bereits den der Geflügelpestwelle der Jahre 2016/17, sagte Ripke. Allein für Niedersachsen seien bei der Tierseuchenkasse bislang Entschädigungen von mehr als 20 Millionen Euro verbucht worden. Vor vier Jahren waren es 17 Millionen Euro. Auf Niedersachsen entfallen rund 60 Prozent des Geflügelbestandes in Deutschland. „Entsprechend ist auch Niedersachsen von den wirtschaftlichen Folgen der Geflügelpest betroffen“, so Ripke.

Die Tierseuchenkasse entschädige den Landwirt für die aufgrund der Tierseuche getöteten Tiere einschließlich der Kosten für die Tötung und Entsorgung. Es gebe aber weitere wirtschaftliche Nachteile für die Halter, weil in der Regel nach einem Ausbruch für eine bestimmte Zeit das „Wiederaufstallen“ des Bestandes verboten werde. Teils komme eine Ertragsausfallversicherung für solche Schäden auf. „Einige werden eine solche Versicherung haben“, betonte Ripke.

Besserer Schutz der Betriebe

Zusammen mit dem Friedrich-Loeffler-Institut müsse nun analysiert werden, wie sich die Betriebe besser vor der Geflügelpest schützen könnten. Es könne angesichts der wiederholten Seuchenfälle nicht einfach so weitergemacht werden, unterstrich Ripke.

Es gebe Anzeichen, dass das Virus über Aerosole durch den in Ställe eindringenden Wind in die Hausgeflügelbestände eindringe. „Da müssen wir nachbessern“, sagte Ripke. Vor allem Putenbestände mussten in den vergangenen Wochen in Niedersachsen aufgrund des Krankheitsausbruchs getötet werden.

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Forderungen, die Branche möge die Tierdichte in den Intensivhaltungsregionen wie Cloppenburg verringern, lehnte Ripke ab. „Ich bin überzeugt, das wird nicht den Erfolg bringen, den man sich erhofft.“ Den Behörden fehle auch eine Rechtshandhabe, die Landwirte zur Betriebsaufgabe zu zwingen.

Die Bauern könnten aus wirtschaftlichen Gründen die Betriebe nicht aufgeben. „Das werden einzelne sein, aber die Masse nicht. Und wenn sie umstellen von Pute auf Hähnchen, dann bedarf es einer baulichen Genehmigung“, sagte Ripke. Auch diese sei für die Landwirte schwer zu bekommen.