Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht im Bundestag
Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht im Bundestag dpa

Mit ihren eigenwilligen Positionen zu Corona und Russland hatte sich Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht sogar mit ihrer eigenen Partei überworfen: Nur eine Minderheit der Linken stützt den russlandfreundlichen Kurs, den einzelne Abgeordnete der Bundestagsfraktion weiterhin verfolgen, unter ihnen Wagenknecht. Die große Mehrheit hat sich jedoch für Sanktionen gegen Russland ausgesprochen. Auch in der Corona-Politik stellte sich die Linken-Politiker quer, wurde von Corona-Leugnern und AfD-Anhängern gefeiert, während die Mehrheit der Linken für Vorsicht und abgewogene Corona-Maßnahmen steht. Doch ein Rauswurf der unbequemen Politikerin kommt für die Linke bislang nicht in Frage.

30 Prozent würden möglicherweise Wagenknecht-Partei wählen, vor allem Linke und AfD-Anhänger

Dem könnte Sahra Wagenknecht jetzt zuvorkommen: Sie erwägt Berichten zufolge, eine eigene Partei zu gründen. Anders als bei Abspaltungen von AfD-Politikern wie Bernd Lucke und Frauke Petry könnte Sahra Wagenknecht damit Erfolg haben, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA nahelegt: 30 Prozent der Wahlberechtigten könnten sich demnach vorstellen, eine Wagenknecht-Partei zu wählen, anderen Umfragen zufolge mehr als jede bislang im Bundestag vertretende Partei!

Besonders hoch wäre der Zuspruch sowohl bei Anhängern der AfD (63 Prozent) und der Linken (66 Prozent), denen eine solche Abspaltung also sehr gefährlich werden könnte. Die Linke würde sämtlichen aktuellen Umfragen zufolge derzeit nicht mehr in den Bundestag kommen, die AfD würde zwar derzeit auf bis zu 16 Prozent kommen, doch eine Spaltung würde diese Erfolgswelle jäh brechen.

Wofür eine Wagenknecht-Partei stehen würde, machte Wagenknecht nun wieder deutlich: Sie bezeichnete nicht die in großen Teilen rechtsextreme AfD, sondern die Grünen als „die gefährlichste Partei“ im Bundestag – und löste damit einmal mehr Wirbel in den eigenen Reihen aus. Widerspruch kam am Freitag unter anderem von Fraktionschef Dietmar Bartsch: „Die gefährlichste im Bundestag vertretene Partei ist und bleibt die AfD.“

Linken-Politiker Jan Korte nennt Wagenknecht-Kritik an Grünen „voll daneben“

Wagenknecht hatte erst vor wenigen Wochen mit einer Rede im Bundestag zur Ukraine-Politik Protest bei vielen ihrer Genossen geerntet. Darin warf die frühere Fraktionschefin der Bundesregierung vor, einen Wirtschaftskrieg gegen Russland „vom Zaun zu brechen“. Ihre Kritiker monierten, sie verkehre Ursache - den russischen Angriff auf die Ukraine - und Folge - die Sanktionen.

Jetzt sagte Wagenknecht in einer ihrer regelmäßigen Videobotschaften: „Für mich sind die Grünen die heuchlerischste, abgehobenste, verlogenste, inkompetenteste und gemessen an dem Schaden, den sie verursachen, derzeit auch die gefährlichste Partei, die wir aktuell im Bundestag haben.“

Wie Bartsch widersprach auf Twitter auch der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken-Bundestagsfraktion, Jan Korte. Er habe für die Grünen wenig Sympathie. „Aber in einem Parlament, in dem Faschisten sitzen, die Grünen als größte Gefahr darzustellen, ist dermaßen drüber und verharmlost die Gefahr von Rechts, @SWagenknecht. Voll daneben.“

Linke Kathrin Vogler nennt Wagner „faulste Abgeordnete mit völlig verrutschtem Kompass“

Die Bundestagsabgeordnete Kathrin Vogler schrieb auf Twitter: „Mir reicht es. Wir reißen uns hier den A… auf, um fundiert, zugespitzt & nachvollziehbar Alternativen zur Ampel-Politik zu formulieren, sozialen Protest zu fördern & die permanente Hetze der AfD zu kontern. Dann trendet wieder die faulste Abgeordnete mit völlig verrutschtem Kompass.“

Nach dem Eklat über die „Wirtschaftskrieg“-Rede hatte die Spitze der Bundestagsfraktion mühsam die Reihen geschlossen und Forderungen nach einem Rauswurf von Wagenknecht und ihren Unterstützern abgewendet. Trotzdem wird immer wieder spekuliert, ob Wagenknecht möglicherweise eine neue Bewegung oder Partei gründen könnte. Bisher legt sich die Bundestagsabgeordnete nicht fest.

Bild TV zitierte sie mit den Worten: „Ich wünsche mir, dass in Deutschland eine Partei entsteht, die die Politik der Regierung verändern kann.“ Sie fügte hinzu: „Aber es ist halt nicht so einfach, eine Partei zu gründen.“