Das Logo von Galeria Kaufhof auf dem Alexanderplatz in Berlin-Mitte. Foto: imago images / Jens Schicke

Bei den Mitarbeitern der acht Karstadt- und drei Galeria-Kaufhof-Warenhäuser in Berlin liegen die Nerven blank. Es sei vor allem die ewige Ungewissheit, sagt eine Verkäuferin des Hauses am Alexanderplatz. „Niemand weiß, was wird.“

Tatsächlich gilt der Warenhaus-Konzern seit Langem als angeschlagen. Hatte ihm zunächst der Onlinehandel das Leben schwer gemacht, so wirkt nun die Corona-Krise wie ein Brandbeschleuniger. Nachdem die Häuser krisenbedingt schließen mussten, dauerte es keine zwei Wochen, bis das Unternehmen ein Schutzschirmverfahren beantragte.

Mit dieser Sonderform eines Insolvenzverfahrens ist Galeria Karstadt Kaufhof seit 1. April vor den Forderungen der Gläubiger geschützt. Zugleich darf die Unternehmensführung weiterhin selbst die Geschäfte lenken, dies allerdings nicht ohne Kontrolle. Der Düsseldorfer Insolvenzanwalt Frank Kebekus, der vor drei Jahren bekanntermaßen erfolglos angetreten war, die Fluggesellschaft Air Berlin zu sanieren, überwacht nun die Entscheidungen.

Spätestens Ende nächster Woche soll ein Insolvenzplan zur Sanierung des Unternehmens vorgelegt werden. Details sind nicht bekannt. Inzwischen schätzt die Konzernführung den Umsatzverlust auf „mehr als eine halbe Milliarde Euro“.

Standortschließungen sind unvermeidbar

Wie die Unternehmensführung laut Manager Magazin ihren Mitarbeitern am Montag offenbarte, hätten der gerichtlich eingesetzte Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz klar gemacht, dass es angesichts der Corona-Krise „leider auch zu Standortschließungen und dementsprechend auch zu einem Arbeitsplatzabbau kommen muss“. Angaben zur Zahl der bedrohten Filialen oder der gefährdeten Arbeitsplätze machte das Unternehmen nicht. Ende April war durchgesickert, dass im Konzern die Schließung von 60 der 170 Filialen drohe.

Was das für die elf Berliner Filialen bedeutet, sei völlig unklar, sagt Erika Ritter, Einzelhandelsexpertin der Gewerkschaft Verdi. In den elf Warenhäusern sind in der Summe etwa 2000 Mitarbeiter beschäftigt. „Wenn man weiter spart, kann man die Häuser nicht mehr betreiben“, erklärt die Gewerkschafterin. Es sei auch abwegig, zu glauben, ein Kaufhaus würde mit weniger Personal attraktiver werden.