Die neuen Parteivorsitzenden der Linken: Susanne Hennig-Wellsow (r.) und Janine Wissler. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow sind zu den neuen Vorsitzenden der Linkspartei gewählt worden. Bei einem Online-Parteitag erhielt die 39-jährige Wissler, bisher stellvertretende Linke-Vorsitzende und hessische Fraktionschefin, am Sonnabend 448 von 532 abgegebenen Stimmen (84,2 Prozent). Es gab 64 Gegenstimmen und 20 Enthaltungen.

Zu ihrer Co-Vorsitzenden wurde anschließend die thüringische Linke-Chefin Susanne Hennig-Wellsow gewählt. Sie kandidierte in einer gemischten Liste mit Reimar Pflanz und Torsten Skott – und erhielt 378 von 536 Stimmen (70,5 Prozent). Andere aussichtsreiche Bewerber gab es nicht. Die Wahl der neuen Spitze muss noch per Briefwahl bestätigt werden.

Alle aktuellen News aus Politik & Wirtschaft finden Sie hier.

Janine Wissler kritisierte in ihrer Vorstellungsrede, dass Reiche in der Corona-Krise noch reicher geworden seien. Sie warb dafür, die Gesellschaft „grundsätzlich zu verändern“. Der Kapitalismus dürfe nicht das Ende der Geschichte sein. Man müsse bereit sein, sich mit Konzernen anzulegen.

Erstes weibliches Führungsduo einer Partei im Bundestag

Daneben betonte sie den Kampf gegen rechts und warb für eine humanitärere Flüchtlingspolitik. „Hanau muss die Endstation rechten Terrors sein“, sagte sie und forderte: „Schluss mit Verharmlosung und Schweigen!“ Von dem Parteitag solle ein Aufbruchssignal ausgehen.

Hennig-Wellsow warb für ihren Kurs eines Mitte-Links-Bündnisses nach der kommenden Bundestagswahl. Sie wolle die CDU/CSU aus der Regierung vertreiben. „Wir alle wissen noch, warum wir in Die Linke eingetreten sind.

Jeder will etwas verändern, die Welt verbessern und das sofort und nicht irgendwann“, sagte sie. Corona sorge für Angst und Unsicherheit bei den Menschen. Können sie sich die Wohnung noch leisten? Sollten sie ihre Kinder in dieser Zeit noch an die Uni schicken? Auf Fragen wie diese brauche es „jeden Tag reelle Antworten“. „Lasst uns nicht mehr warten! Die Menschen leben im Hier und Jetzt.“

Wissler und Hennig-Wellsow lösen die bisherigen Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger ab. Sie hatten Die Linke seit 2012 geführt und wollten eigentlich bereits im vergangenen Juni ihre Amtszeit beenden, aber wegen Corona wurde der Parteitag seitdem zweimal verschoben.

Bei dem Online-Treffen wird an diesem Sonnabend auch über die Neubesetzung der Stellvertreterposten, des Bundesgeschäftsführers und des Bundesschatzmeisters abgestimmt.