Eine FFP2-Maske liegt in einer S-Bahn in Berlin. Imago/Sabine Gudath

Jetzt, da Gesundheitsminister Jens Spahn die politische Verantwortung bald los ist, plädiert er dafür, sämtliche Corona-Regeln aufzuheben. Mögliche Überlastungen des Gesundheitssystems müssen ihn nicht kümmern, den Applaus derer, denen die Corona-Maßnahmen schon immer ein Dorn im Auge waren nimmt er gerne. Die sprechen jetzt schon von einem „Freedom Day“, einem Freiheitstag – doch er ist genau das Gegenteil.

Denn wir leben seit inzwischen anderthalb Jahren mit diversen, immer lockerer werdenden Regeln. Und so hart sie sich anfühlen, allein sie sind es, die uns überhaupt die Freiheiten garantieren. Ohne Maskenpflicht, Kontaktverfolgung, G2 und G3 wären viele der Veranstaltungen, die wir seit Monaten genießen, überhaupt nicht denkbar.

Sie geben uns die Freiheit trotz Pandemie unser Leben fast so zu leben wie zuvor. Wir gehen zu Konzerten, in Kneipen, in Clubs und Fußballstadien – und weil wir uns dabei an Regeln halten und schon viele (wenn auch zu wenige) geimpft sind, hält sich das Infektionsgeschehen in Grenzen.

Doch nun sollen die Regeln weg. Die Maske, G3 und G2 erst recht sagen die, die auf Twitter das #PandemieEnde beschwören, als würde das Virus nun sagen: „Achso, wenn die Leute auf Twitter das wollen, höre ich auf zu mutieren und von Mensch zu Mensch zu springen. Sorry.“

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Wir alle wollen frei  leben. Aber die größtmögliche Freiheit für alle, erreichen wir eben durch die Maßnahmen und nicht durch deren Beendigung. Zumindest nicht, ohne, dass Menschen auf der Strecke bleiben – solche etwa, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, Kinder, für die es keinen Impfstoff gibt oder aber Mitarbeiter im Gesundheitssektor, die mit Sorge auf einen Corona-Winter blicken. 

Dann im Zweifel die Regeln wieder hochzufahren, müsste Jens Spahn nicht mehr verantworten.