Bundeskanzlerin Angela Merkel Foto: dpa

Der Sachverständigenrat, der die Regierung in Wirtschaftsfragen berät, meint zum Beispiel, dass allein die Ankündigungen zum Beispiel von Investitionsausgaben „bereits positive Erwartungseffekte und Finanzmarktreaktionen auslösen“.

So steht es in einem Corona-Sondergutachten, das der Rat am Montag vorlegte. Die drei Wirtschaftswissenschaftler sehen Bedingungen, die erfüllt werden müssten, um das Ankurbeln gelingen zu lassen: „Die Maßnahmen müssen glaubwürdig die Einkommen der Haushalte und die Gewinne der Unternehmen nach Aufhebung der Einschränkungen erhöhen.“ Und: „Die Maßnahmen selbst sollten jedoch erst mit Auslaufen der Einschränkungen in Kraft treten.“  

Eine Rezession im ersten Halbjahr werde „nicht zu vermeiden“ sein, erklärten die Ökonomen. Je nach Dauer und Ausmaß der Einschränkungen rechnen sie mit einem Einbruch von 2,8 bis 5,4 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung, dem sogenannten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Rat sieht für die Jahre 2020 und 2021 von drei Szenarien. Im für ihn aktuell wahrscheinlichsten Fall normalisiere sich die wirtschaftliche Lage „über den Sommer“.  2020 schrumpfe das BIP dann  um 2,8 Prozent, könne 2021 dann um 3,7 Prozent zulegen.

Im „Risikoszenario“ ginge es steiler nach unten mit dem BIP. Das wäre der Fall bei „großflächigen Produktionsstilllegungen oder länger andauernden gesundheitspolitischen Maßnahmen“. Dann würde das BIP um 5,4 Prozent schrumpfen, 2021 dann aber auch steil um 4,9 Prozent wieder ansteigen.

Nicht wie im Krieg

 Ein drittes Szenario entwirft der Rat für den Fall, dass die gesundheitspolitischen Maßnahmen über den Sommer hinaus andauern und „die wirtschaftliche Erholung sich erst im Jahr 2021 einstellt“.  In diesem Szenario würde das BIP um 4,5 Prozent schrumpfen und 2021 mit 1,0 Prozent nur sehr langsam wieder wachsen. Grundsätzlich glauben die Ökonomen aber an eine relativ schnelle Erholung der deutschen Wirtschaft. „Es ist nicht wie in einem Krieg, wo der Kapitalstock zerbombt wäre und die Arbeiter an der Front sind“, sagte Volker Wieland bei der Vorstellung des Gutachtens.

 Von der Politik forderten die Wirtschaftsweisen  zunächst vor allem, Erkrankte gut zu versorgen und die Ausbreitung des Virus effektiv zu begrenzen.   Deshalb seien die Einschränkungen des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft unausweichlich. Lars Feld, Vorsitzender der „Weisen“, warnte davor, Gesundheit und Wirtschaft gegeneinander aufzurechnen, wie es US-Präsident Donald Trump getan hatte. Der hatte erklärt, dass eine Stilllegung der Wirtschaft ein Land zerstören könne.