Rund 500 Soldaten waren an Bord des russischen Kriegsschiffs „Moskwa“. dpa/Can Merey

Es ist einer der härtesten Schläge für Russland seit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine: Nach stundenlangem Dementieren musste der Kreml am späten Donnerstagabend eingestehen, dass sein Flaggschiff der Schwarzmeerflotte gesunken ist. Der angeschlagene russische Raketenkreuzer „Moskwa“ sei während eines Sturms gekentert, als er an sein Ziel geschleppt werden sollte, ließ das russische Verteidigungsministerium verlautbaren.

Zuvor sei Munition an Bord explodiert. Durch das anschließende Feuer sei der Rumpf beschädigt worden, was schließlich zum Untergang führte.

Von ukrainischer Seite hieß es zuvor dagegen, die „Moskau“ sei von einer oder zwei Anti-Schiffs-Raketen getroffen worden. Und während der Kreml beteuerte, die Besatzung von rund 500 Soldaten sei vollständig evakuiert worden, hält es der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, für „wahrscheinlich“, dass es an Bord Tote und Verletzte gegeben habe.

Der Untergang der „Moskwa“ ist nicht nur diplomatisch ein herber Schlag, sondern auch militärisch von vielleicht entscheidender Bedeutung. Der Raketenkreuzer war der Dreh- und Angelpunkt der Luftverteidigung der Schwarzmeerflotte. Der Kreuzer habe eine „Schlüsselrolle“ bei den Bemühungen Russlands gespielt, eine „Dominanz seiner Marine im Schwarzen Meer“ herzustellen, sagte John Kirby dem US-Sender CNN.

Das zu Sowjetzeiten gebaute, 186 Meter lange Kriegsschiff war mit 16 Seezielflugkörpern vom Typ Basalt/Wulkan und Osa-Kurzstreckenraketen ausgerüstet. Es verfügte zudem über Raketenwerfer und Torpedos. Zusammen mit anderen Schiffen der Schwarzmeerflotte hatte die „Moskwa“ die südukrainische Hafenstadt Mariupol blockiert.

Wendepunkt im Kampf um die ukrainische Schwarzmeer-Küste?

Für die weitere Kriegsführung Russlands bedeutet der Verlust der immensen Feuerkraft der „Moskwa“ eine entscheidende Wende. Die Kreml-Flotte, die geschützt vom Flaggschiff vom Meer aus Ziele an Land unter Beschuss nahm, kann jetzt selbst Ziel ukrainischer Angriffe werden.

Die russischen Schiffe müssen sich weiter von der Küste zurückziehen. Dadurch wird ein Landemanöver in der Hafenstadt Odessa, das bereits seit Wochen befürchtet wird und eines der großen Kriegsziele von Kremlchef Wladimir Putin zu sein scheint, nun unwahrscheinlicher.

Setzt Putin jetzt aus Verzweiflung Atomwaffen ein?

Der US-Geheimdienst CIA warnte nun, dass Putin angesichts einer „möglichen Verzweiflung“ über militärische „Rückschläge“ den Einsatz „taktischer Atomwaffen oder Atomwaffen mit geringer Reichweite“ anordnen könnte. Seinen schweren Beschuss auf viele Teile der Ukraine hat Russland nach dem Untergang der „Moskwa“ bereits verstärkt. So kam es in der Hauptstadt Kiew zu neuen Angriffen, ebenso in Odessa und im Gebiet Sumy im Nordosten, wo die russischen Truppen bereits abgezogen waren.

Ampel streitet um Lieferung schwerer Waffen

Kiew macht deshalb Kanzler Olaf Scholz (SPD) immer stärker Druck, auch schwere Waffen in die Ukraine zu liefern, um die Angriffe abwehren zu können. Aber auch innerhalb der Ampel sind die Parteien beim Thema Waffenlieferungen zerstrittener denn je. FDP und Grüne plädieren seit Tagen für Lieferungen schwerer Waffen wie etwa Kampfpanzer.

„Wir können die Ukraine in dem Krieg nicht alleine lassen. Sie kämpft auch für uns. Die Ukraine darf nicht verlieren, Putin darf nicht gewinnen“, begründete Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Forderung.

„Sehr schnelles Handeln ist jetzt angesagt“, kritisierte FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann Scholz’ zögerliches Handeln mit Verweis auf die drohende neue russische Großoffensive im Osten der Ukraine. „Das Problem ist im Kanzleramt“, hatte auch der Grünen-Europapolitiker Anton Hofreiter den Regierungschef Druck gemacht.