Strom wurde auf Jahressicht 30 Prozent teurer. Energie bleibt für Familien trotz des Entlastungspakets deutlich teurer. dpa/Hauke-Christian Dittrich

9-Euro-Ticket, weniger Steuern auf Benzin und Diesel, 300 Euro Energiepreispauschale für Erwerbstätige – mit einem milliardenschweren Entlastungspaket soll Bürgerinnen und Bürgern wegen der steigenden Energiekosten unter die Arme gegriffen werden. Doch wie viel bringt das Maßnahmen-Bündel am Ende tatsächlich den Menschen in Deutschland?

Das Vergleichsportal Verivox hat in Zusammenarbeit mit dem Bund der Steuerzahler nachgerechnet. Berücksichtigt wurden jene Maßnahmen, die unmittelbaren Einfluss auf die Kosten für Heizen, Strom und Tanken haben. Also die Energiepreispauschale für Erwerbstätige in Höhe von 300 Euro, die um 200 Euro erhöhte Werbungskostenpauschale, der einmalige Bonus von 100 Euro pro Kind, der Wegfall der EEG-Umlage ab Juli, die dreimonatige Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe sowie die Erhöhung des Grundfreibetrages.

Entlastungen decken Ausgaben-Plus bei weitem nicht

Dieses Entlastungspaket gleicht die Preisanstiege laut Verivox für eine vierköpfige Musterfamilie mit 1035 Euro aus, also nicht einmal um die Hälfte. Denn die jährlichen Energiekosten für den Musterhaushalt mit zwei Kindern sind zwischen April 2021 und 2022 um 2408 Euro auf 6269 Euro gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs um 62 Prozent.

Jetzt auch lesen: Von wegen Klima-Koalition! Ampel-Kabinett fällt beim Dienstwagen-Check gnadenlos durch: Und DIESE Ministerin fährt die größte Dreckschleuder! >>

Grundlage für die Rechnung sind die Energiepreise des Aprils, die für die Dauer des gesamten Jahres 2022 angenommen werden. Entlastungen wie etwa die Abschaffung der EEG-Umlage, die erst im Juli kommen soll, werden nur anteilig berücksichtigt.

Bei der vierköpfigen Familie ging Verivox zur Berechnung von einem jährlichen Wärmebedarf von 20.000 Kilowattstunden (kWh), einem Stromverbrauch von 4000 kWh und einer jährlichen Fahrleistung von 13.300 Kilometern aus.

Jetzt auch lesen: Putins Tochter Katerina: Geheime Beziehung mit dem Münchner Ex-Ballettchef? >>

Vor allem Heizölkunden leiden laut Verivox unter der Preisentwicklung mit einem Anstieg um 144 Prozent, die Gaspreise verdoppelten sich im Jahresverlauf. Die Strompreise legten demnach auf Jahressicht um 30 Prozent zu, Benzin um 35 Prozent und Diesel um 56 Prozent.

Finanzminister Christian Lindner (FDP) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatten zwar betont, dass der Staat die wirtschaftlichen Folgen von Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine nicht komplett auffangen, sondern nur mildern könne.

Weitere Steuernachlässe gefordert

Trotzdem fordert der Bund der Steuerzahler weitergehende steuerliche Entlastungen. „Die Regierung muss deutlich nachbessern und den Einkommensteuertarif 2022 so an die Inflation anpassen, dass der Fiskus nicht zum Inflationsgewinnler wird“, forderte der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel. Nach Ansicht des Vereins sollten die Steuerklassen so verändert werden, dass erst bei einem höheren Einkommen als bisher jeweils höhere Sätze fällig werden.