Ritter Sport will weiter Schokolade nach Russland liefern. dpa/Marijan Murat

Zahlreiche Unternehmen haben wegen des völkerrechtswidrigen Ukraine-Krieges Geschäfte in Russland auf Eis gelegt oder sogar komplett eingestellt. So zieht sich der niederländische Bierbrauer Heineken komplett aus dem Land zurück. Auch Aldi, Daimler und DBSchenker haben ihr Russlandgeschäft faktisch beendet. Andere Unternehmen wie die Deutsche Bank, Adidas und Volkswagen haben ihre Aktivitäten in Russland eingefroren. Wiederum andere Unternehmen bleiben in Russland tätig, haben aber Investitionen ausgesetzt: Dazu gehören etwa der Pharma-Riese Bayer, der Henkel-Konzern oder Siemens.

Trotz Ukraine-Krieg machen Dutzende Weltfirmen weiter dicke Geschäfte mit Russland

Und dann wiederum gibt es Unternehmen, die trotz Ukraine-Krieg weiterhin dicke Geschäfte mit Russland machen: Dazu gehören etwa die Reiffeisen Bank, der Metro-Konzern und Turkish Airlines. Die Yale-Universität listet 38 Firmen auf einer roten Liste, die sich nicht an den internationalen Sanktionen gegen Russland beteiligen, darunter chinesische Tech-Firmen wie Huawei, Tencent und Xiaomi.

Eine Firma fehlt auf der Liste: Der Schokoladenhersteller Ritter Sport aus Waldenbuch in Baden-Württemberg. Bemerkenswert ist die Begründung, warum das Unternehmen trotz des Ukraine-Krieges weiterhin Schokolade nach Russland liefert. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, teilte ein Sprecher am Dienstag mit. Ein Stopp der Lieferungen hätte zur Folge, dass die Produktion drastisch heruntergefahren werden müsste „und damit auch ernsthafte Auswirkungen auf uns als unabhängiges mittelständisches Familienunternehmen“ hätte. Letztlich wären auch die Kakaobauern davon betroffen.

Ritter Sport: Familienunternehmen mit satten 470 Millionen Euro Umsatz im Jahr

Russland ist ein wichtiger Markt für den schwäbischen Schokoladenhersteller. Der Marktanteil von Ritter Sport in Russland liegt nach Firmenangaben bei sieben Prozent. Am Gesamtumsatz von Ritter Sport in Höhe von 470 Millionen Euro im Jahr 2020 machten die Russland-Geschäfte etwa zehn Prozent aus.

Weiter wie bisher könne es jedoch nicht gehen, sagte der Sprecher. So habe Ritter Sport bereits Anfang März die Entscheidung getroffen und umgesetzt, „nicht weiter in den russischen Markt zu investieren sowie Werbung dort zu stoppen“. In den sozialen Medien erntete das Unternehmen bitteren Spott und Hohn für die halbherzige Entscheidung.

Inzwischen kursieren bereits Boykott-Aufrufe gegen die bekannte Schokolade-Marke.

Ritter Sport Schokolade als Marke gibt es bereits seit 1932. Die Idee zu einer praktischen „Sport“-Schokolade hatte damals die Familienunternehmerin Clara Ritter. Populär wurden die quadratischen Riegel in den 70ern in Westdeutschland. Seit den 80ern wird die Schokolade auch international verkauft.