Viele Supermarkt-Regale bleiben leer, weil Läden nicht mit Produkten versorgt werden. dpa/Frank Augstein

Gähnende Leere in Supermarkt-Regalen, und auch im britischen Benzin-Chaos ist kein Ende absehbar. Ab Montag müssen sogar Soldaten ran, um bei der Versorgung von Tankstellen mit Sprit zu helfen. Schuld an der Versorgungs-Misere auf der Insel ist der Mangel an Lkw-Fahrern, die Kraftstoffe von den Depots an die Tankstellen verteilen – auch weil viele EU-Ausländer mit dem Brexit aus Großbritannien abgewandert sind. 

Ausbaden sollen es jetzt die eigenen Landsleute – und auch in Großbritannien lebende Deutsche. In einer skurrilen Brief-Aktion forderte die Regierung in London zahlreiche Menschen per Post zur „Rückkehr“ in die Fernfahrerbranche auf. 

Armee muss Tankstellen mit Sprit versorgen

Tausende Deutsche im Land, die vor 1999 ihren Führerschein gemacht hätten, seien angeschrieben worden, da sie kleinere Lastwagen fahren dürften, berichtete die Zeitung „Independent“.

In dem Brief des Verkehrsministeriums, der der Zeitung vorliegt, wird den Angeschriebenen nahe gelegt, eine „Rückkehr“ in die Fernfahrerbranche in Betracht zu ziehen – auch wenn viele der Adressaten noch nie am Steuer eines Lasters gesessen hätten.

„Es gibt großartige Möglichkeiten für Lastwagenfahrer in der Logistikbranche und die Arbeitsbedingungen haben sich im gesamten Sektor verbessert“, heißt es in dem Schreiben. „Ihre Fähigkeiten und Erfahrungen wurden noch nie mehr gebraucht als jetzt.“

Empfänger der Briefe saßen teils noch nie im Lkw am Steuer

Aus dem britischen Verkehrsministerium hieß es, der Brief sei an fast eine Million Menschen mit Lkw-Führerscheinen gesendet worden. Aus Datenschutzgründen sei es unmöglich gewesen, die Liste der Empfänger genauer nach Berufen zu filtern.

Autofahrer mit deutschen Führerscheinen, die vor 1999 ausgestellt wurden, dürfen unter bestimmten Bedingungen kleine Lastwagen mit einem maximalen Gewicht von 7500 Kilogramm fahren.

„Es ist schön zu wissen, dass es noch immer Job-Perspektiven hier für uns nach dem Brexit gibt“, sagte ein 41-jähriger Deutscher, der mit seiner Frau in London lebt, dem „Independent“. „Wären wir nach Deutschland gegangen, wären wir wohl niemals als Lastwagenfahrer von Headhuntern angeworben worden.“

Vorerst wolle er seinen Job bei einer Investmentbank jedoch behalten, und seine Frau habe auch noch nie ein größeres Auto als einen Volvo gefahren und werde das „spannende Angebot“ wohl auch ausschlagen.