Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow setzt auf Vernunft statt Verbote. Foto: Imago Images/Jacob Schröter

Thüringens Landeschef Bodo Ramelow (Linke) hat mit seinem Vorstoß zur weitgehenden Abschaffung der Corona-Vorschriften einen Riesen-Streit ausgelöst. Politiker und Virologen kritisieren ihn scharf. Das Bundesland Sachsen will jedoch ähnliche Wegen gehen.

Nicht weniger als einen „Paradigmenwechsel“ kündigt die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) an. Wenn die Zahl der Neuinfektionen stabil auf einem niedrigen Niveau bleibe, könne es ab 6. Juni weitestgehende Corona-Lockerungen geben. Zuvor hatte Ramelow für Thüringen angekündigt, künftig vor allem auf die Eigenverantwortung der Bürger zu setzen. Werden Mindestabstand und Maskenpflicht zu Auslaufmodellen?

Nicht, wenn es nach der Bundesregierung geht. „Es darf in keinem Fall der Eindruck entstehen, die Pandemie wäre vorbei“, sagt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an Ramelows Adresse. Auch Bayerns Landeschef Markus Söder (CSU) spricht von einem „fatalen Signal“ aus Thüringen. Ramelow müsse seine Absichten überdenken. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil wirft Ramelow sogar vor, mit den Abschaffungsplänen Verschwörungstheoretikern hinterherzulaufen.  

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Kanzleramt will maßvolle Lockerungen

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist laut einem Sprecher dafür, dass es zu Kontaktbeschränkungen, Abstand und Hygiene weiter „verbindliche Anordnungen geben soll“. Trotz geplanter Lockerungen im Detail will Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) den Ländern vorschlagen, bis vorerst zum 5. Juli einen 1,5-Meter-Mindestabstand in der Öffentlichkeit vorzuschreiben. Auch die Maskenpflicht soll in bestimmten öffentlichen Bereichen beibehalten werden, heißt es. Bei privaten Treffen zu Hause und auch draußen sollen sich künftig aber bis zu zehn Menschen oder die Angehörigen zweier Hausstände treffen dürfen.

Bei so viel Kritik muss Ramelow seine Pläne nun präzisieren. Zumindest die Maskenpflicht in Öffis und Geschäften werde es in Thüringen weiter geben, so Ramelow im MDR. (mit dpa, AFP)