Knietief im Dispo: Millionen Deutsche haben ihr Konto überzogen – das könnte bald teurer werden. dpa/Holger Hollemann

Zum ersten Mal seit elf Jahren will die Europäische Zentralbank im Juli die Zinsen erhöhen. Von einem ersten Schritt von 0,25 Prozent ist die Rede. Ein weiterer Zinsschritt soll dann im September folgen. Ob dieser noch deutlicher ausfallen wird, ließ die EZB offen.

Mit der Zinswende können sich Sparer zwar freuen, denn mit der Anhebung dürften die von Banken erhobenen Negativzinsen bald Vergangenheit sein.

Doch die Zinserhöhung hat auch erhebliche Nachteile für Verbraucher. Denn dass das Ziel, die Rekord-Inflation zu drücken, mit dem anvisierten Mini-Schritt gelingt, ist angesichts einer Teuerungsrate von zuletzt 7,9 Prozent im Mai zu bezweifeln. Damit müssen die Deutschen weiterhin eisern sparen.

6 Millionen Deutsche sind im Dispo

Außerdem sorgen höhere Zinsen dafür, dass Kredite teurer werden. Und auch die ohnehin schon teuren Dispokredite könnten noch teurer werden. Allein davon wären im Schnitt 6 Millionen Deutsche (8,7 Prozent) betroffen.

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Aktuell verlangen Banken laut dem Kreditportal Smava im Schnitt 9,43 Prozent Dispozinsen. Würde der Leitzins auf 0,25 Prozent oder später sogar auf 0,5 Prozent erhöht, könnte der Dispozins auf im Schnitt rund 11 Prozent steigen. So viel kosteten Dispokredite, als der Leitzins das letzte Mal bei 0,25 bis 0,5 Prozent lag.

Ratenkredit oft günstiger als der Dispo

„Sobald sich abzeichnet, dass ich mein Konto nicht innerhalb von 2, vielleicht 3 Monaten ausgleichen kann, sollte ich realistisch sein und zu einer günstigeren Alternative wechseln. Das kann zum Beispiel ein Ratenkredit sein“, rät Smava-Geschäftsführer Alexander Artopé. Ein Ratenkredit kostet im Bundesdurchschnitt rund 5,5 Prozent Zinsen. Er ist damit rund 42 Prozent günstiger als der Dispo. Grundsätzlich ist die Kontoüberziehung eine der teuersten Arten, sich Geld zu leihen.

Weiterer Vorteil eines Ratenkredits: Die Zinsen sind für die vereinbarte Kreditlaufzeit festgeschrieben. Egal, wie sich dann der EZB-Leitzins verändert, zahlen die Kreditnehmer ihre Schulden zum vereinbarten Zinssatz zurück.

Aufpassen sollten Verbraucher vor allem darauf, dass sie den Disporahmen nicht überschreiten. Dann berechnen Banken nämlich Überziehungszinsen, die noch höher liegen als die Dispozinsen: laut FMH-Finanzberatung bei bis zu 16 Prozent.