Gerade läuft die Booster-Kampagne, da wird schon über den vierten Piks debattiert. dpa/Sebastian Gollnow

Die lange stockende Corona-Impfkampagne nimmt Tempo auf, da zeichnet sich jetzt bereits ab, dass auch der dritte Corona-Piks nicht der letzte sein wird. „Wir rechnen damit, dass im Sommer, spätestens im Herbst eine vierte Impfung nötig sein wird“, sagte Hausärzteverband-Chef Ulrich Weigeldt der Bild-Zeitung. Er hoffe darauf, dass die vierte Corona-Impfung dann „schon in Verbindung mit der Grippe-Impfung“ verabreicht werden könne, „um den Schutz vor Corona in eine Routine zu überführen“.

Nötig werden könnte das auch wegen der neuen Virusvariante Omikron, die womöglich noch ansteckender ist als die derzeit dominierende hochinfektiöse Delta-Variante. Die Hersteller Biontech/Pfizer wollen bis März (unter Vorbehalt der behördlichen Genehmigung) einen an Omikron angepassten Impfstoff bereitstellen.

Omikron wird Anfang des Jahres dominierende Corona-Variante

Sie gehen aber davon aus, dass auch ihr derzeitig verwendeter Impfstoff weiterhin vor einer schweren Erkrankung schützt – allerdings auch davon, dass angesichts von Omikron zwei Dosen keine vollständige Impfung mehr sind.

Experten erwarten eine sehr schnelle Ausbreitung der Omikron-Variante. „Wir rechnen damit, dass diese Mutation Anfang nächsten Jahres langsam die dominante Variante wird“, sagte der Präsident der Intensivmediziner-Vereinigung Divi, Gernot Marx, der „Passauer Neuen Presse“. Sein Kollege Christian Karagiannidis erwartet dies bereits gegen Ende Januar.

Angesichts dessen drängen Fachleute wie der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger, auf eine Verkürzung des Abstands zwischen zweiter und dritter Impfung. Die Ständige Impfkommission empfiehlt im Regelfall bisher sechs Monate, je nach Bundesland ist es auch schon früher möglich. In Berlin etwa gibt es den dritten Piks schon nach fünf Monaten.

Booster-Impfungen sollen noch früher verabreicht werden

Eine raschere Auffrischimpfung könne die Ausbreitung sowohl der Delta- wie auch der Omikron-Variante beeinflussen, „das zeigen die Erfahrungen aus Israel sehr eindrücklich“, sagte Salzberger den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen mahnte in der „Rheinischen Post“, in den Modus einer „vorausschauenden Pandemiepolitik“ zu kommen. „Die Folgen von Omikron spüren wir noch nicht morgen, aber schon heute müssen wir uns dagegen wappnen.“

Derzeit haben laut Robert Koch-Institut gut 17 Millionen Menschen in Deutschland einen aufgefrischten vollen Impfschutz. Bei 83 Millionen Einwohnern sind das in etwa 20 Prozent.