Geimpft, genesen, getestet: ob 3G-Regeln helfen? Experten sind skeptisch. dpa/Hauke-Christian Dittrich

Experten haben die Erwartungen an eine durchschlagende Wirkung der 2G- und 3G-Regeln bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gedämpft. „Wir werden mit 3G keine Infektionen von Ungeimpften verhindern“, sagte der Virologe Christian Drosten am Montag bei einer öffentlichen Ausschuss-Anhörung im Bundestag zu den von SPD, Grünen und FDP geplanten Änderungen des Infektionsschutzgesetzes.

Vorrangiges Ziel bleibe der Schutz der Ungeimpften – eine Infektion könne in dieser Gruppe aber auch durch Testungen nicht verhindert werden, sagte Drosten. 3G könne allenfalls dann noch etwas ausrichten, wenn es ganz konsequent auf „stabile Sozialgruppen“ und dort etwa alle zwei Tage angewendet werde. Dem stünden aber logistische Anforderungen entgegen, weshalb 3G selbst am Arbeitsplatz schwer vermittelbar sei.

Manche Ungeimpfte nur schwer erreichbar

Die 3G-Regel erlaubt neben Geimpften und Genesenen auch Getesteten den Zutritt etwa zu Veranstaltungen in Innenräumen. Allerdings könnten auch Geimpfte unwissentlich infiziert sein und das Virus übertragen.

Viele ungeimpfte Gruppen seien zudem durch 3G schwer zu erreichen, weil sie zum Beispiel keiner formalen Arbeit nachgingen oder im Ruhestand seien, nicht viel reisten und kaum Veranstaltungen besuchten und sich „eigentlich im Privatleben bewegen“, sagte Drosten. Auch durch 2G - also den Zutritt nur noch für Geimpfte und Genesene - sind diese Menschen Drosten zufolge kaum geschützt, weil sie das Virus im Privatbereich „nach Hause getragen bekommen“, unter anderem von Kindern aus der Schule.

Der Virologe der Berliner Charité sprach sich daher für eine „zusätzliche Schutzschicht“ für ungeimpfte Gruppen aus, die sich im Privaten infizieren können. Dies betreffe etwa die „Freiheit, sich zu treffen“.

Gedämpfte Erwartungen an 2G- und 3G-Regeln

Auch Max-Planck-Forscherin Viola Priesemann sieht die 2G- und 3G-Regelungen nicht als Allheilmittel. Nur 2G und 3G im öffentlichen Bereich zu etablieren, werde „nicht reichen, um die Fallzahlen runterzubringen“. Die meisten Kontakte gebe es schließlich im Privatbereich.


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Max-Planck-Forscherin Viola Priesemann

Priesemann sprach sich erneut nachdrücklich für ein schnelleres Tempo bei Grundimpfungen und Auffrischungsimpfungen aus. Wenn bei Impfungen wieder ein Niveau wie im Sommer erreicht würde, „dann würden wir in einem Monat erste Wirkungen sehen“, sagte Priesemann bei der Anhörung.

Neue Pläne der Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP für das Infektionsschutzgesetz sehen schärfere Kontaktbeschränkungen sowie die 3G-Regel am Arbeitsplatz vor. Auch eine Öffnungsklausel für erweiterte Befugnisse der Bundesländer soll es weiterhin geben. Der Hauptausschuss des Bundestages beriet dazu am Montag bei einer Anhörung mit Fachleuten über die neuen Vorhaben. Bundestag und Bundesrat wollen die Nachfolgeregelung für die epidemische Notlage bis Freitag unter Dach und Fach bringen.