Preise für Kraftstoffe an einer Tankstelle in Deutschland Ende Mai: Im Juni sollen die Preise fallen. dpa

Am ersten Juni könnten die Spritpreise in Deutschland erstmals seit Monaten wieder flächendeckend unter die 2-Euro-Marke sinken. Sicher ist das allerdings nicht: Denn ob die massive Steuersenkung der Bundesregierung von allen Energiekonzernen umgehend an die Verbraucher weitergegeben wird, muss sich erst noch zeigen. Jetzt schon ist zu sehen: Vor der Preissenkung wurden die Preise an deutschen Tankstellen vor allem bei Super und E10 massiv angehoben. Der Verdacht liegt nahe: Hier wird kräftig abkassiert.

In diesen Ländern hat sich Benzin und Diesel nicht verteuert: Der Liter Sprit kostet teils nur zwei Cent

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Die Spritpreise waren in Deutschland und anderen Ländern infolge des Ukraine-Krieges massiv angestiegen. Allerdings gibt es Länder, in denen sich der Sprit überhaupt nicht verteuert hat. Im Ölförderland Venezuela kostet der Sprit so gut wie nichts: 2 Cent pro Liter wird dort fällig, noch weniger als in Libyen, wo Autofahrer drei Cent pro Liter berappen müssen. Aber ist das tatsächlich der Preis, den der Sprit kosten müsste, wenn er nicht massiv durch Steuern und andere Abgaben belastet würde?

US-Energieexperte Neven Valev sagt: Nein. Für die Welt hat er analysiert, was den Sprit derzeit in Deutschland so teuer macht – und was der Sprit tatsächlich kosten müsste. Sein Fazit: Spritpreise, die unter einem Euro liegen, sind subventioniert, spiegeln also nicht die tatsächlichen Kosten für Produktion und Vertrieb wieder.

Hälfte des Spritpreises in Deutschland sind Steuern und Abgaben

In Deutschland wiederum machen fast die Hälfte des Abgabepreises Steuern und Abgaben aus, darunter die Energiesteuer, die zum 1. Juni für drei Monate abgesenkt wird. Daneben werden Mehrwertsteuer, Ökosteuer und die sogenannte Erdölbevorratungsabgabe fällig. Diese Steuern werden von Vielfahrern, die etwa auch in Osteuropa unterwegs sind, vielfach kritisiert: In Ländern wie Polen sind die Abgaben geringer, der Sprit ist infolgedessen billiger. Allerdings verdient die dortige Bevölkerung deutlich weniger als in Deutschland. Außerdem sind viele Straßen in Polen und anderen osteuropäischen Ländern durch EU-Mittel subventioniert. In Deutschland kostet der Erhalt von Straßen und Brücken die Steuerzahler rund 34 Milliarden Euro im Jahr – die Spritsteuer-Einnahmen kommen somit auch denjenigen zugute, die den Sprit verfahren.

In Deutschland ist der Sprit zwar deutlich teurer als etwa in den USA, die Spritpreise liegen in einigen Ländern aber deutlich über dem, was deutsche Tankstellen kassieren. So nennt Valev das Ölförderland Norwegen (2,31 Euro/Liter) und Hongkong (2,74 Euro/Liter). Auch arme Länder kassieren teils deutlich mehr als in Deutschland, vor allem in Afrika. So ist die Zentralafrikanische Republik das drittteuerste Spritland überhaupt: 2,28 Euro wurde dort durchschnittlich im Mai für den Liter Sprit kassiert.