Der frühere Chef von Wirecard, Markus Braun, vor seiner Aussage im Untersuchungsausschuss des Bundestages.  Foto: Fabrizio Bensch/dpa

Berlin - Im größten Betrugs-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte soll der Finanzdienstleister Wirecard über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben. Inzwischen ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft wegen „gewerbsmäßigen Bandenbetrugs“ gegen die Manager des früheren Dax-Unternehmens, das Ende Juni Insolvenz angemeldet hatte. Insgesamt 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhandkonten in Asien liegen sollten, sind nicht auffindbar.

Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss soll mögliche Versäumnisse der Bundesregierung und der Behörden im Fall aufklären. Und mit dem früheren Wirecard-Chef Markus Braun (51) musste am Donnerstag einer der Hauptverantwortlichen im Skandal vor dem Ausschuss erscheinen. Der Österreicher wurde für seine Aussage aus der Untersuchungshaft in Bayern nach Berlin gebracht, nachdem der Bundesgerichtshof sämtliche Einsprüche von Brauns Anwälten gegen dessen persönliches Erscheinen abgelehnt hatte.

Markus Braun war für seine Aussage aus der Untersuchungshaft in Bayern nach Berlin gebracht worden. Foto: Fabrizio Bensch/dpa

Der Ausschuss will aufdecken, ob das deutsche Fintech-Unternehmen als aufstrebender Börsenstar von den Aufsichtsbehörden trotz Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten mit Samthandschuhen angefasst wurde.

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Vor dem Ausschuss entlastete Braun Aufsicht und Politik: Er sehe kein unlauteres Verhalten von Behörden und Politik im Zusammenhang mit dem Bilanzskandal, so der Ex-Chef des Skandalunternehmens. Er habe „zu keiner Zeit Feststellungen getroffen oder Hinweise erhalten, dass sich Behörden, Aufsichtsstellen oder Politiker nicht korrekt, pflichtwidrig oder in irgendeiner Form unlauter verhalten hätten“, so Braun weiter. Das gelte auch für den Aufsichtsrat als Kontrollorgan und für die Wirtschaftsprüfer.

Mehr werde er vor dem Ausschuss nicht sagen, erklärte der 51-Jährige, der seit dem Sommer in Untersuchungshaft sitzt. Er wolle sich zunächst vor der Staatsanwaltschaft  äußern und berief sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht.

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Die Opposition hat unter anderem weitere Aufklärung über Treffen Brauns mit Finanzstaatssekretär Jörg Kukies verlangt, darunter eines am 5. November 2019. Gegenstand dieses Gesprächs waren laut einem Bericht des Finanzministeriums an den Bundestag „auch der Marktmanipulationsverdacht sowie die begonnene KPMG-Sonderprüfung“ gegen Wirecard.