Wladimir Putin (l.) und Gerhard Schröder bei einem Treffen im Kreml im Mai 2018.
Wladimir Putin (l.) und Gerhard Schröder bei einem Treffen im Kreml im Mai 2018. dpa/Alexei Druzhinin

Viel gespottet wurde über die Russland-Reise von Gerhard Schröder: Der ehemalige Bundeskanzler hatte sich geweigert, seine Geschäftsbeziehungen zu russischen Öl- und Gasunternehmen aufzugeben. Seine enge Freundschaft zum russischen Präsidenten Wladimir Putin ist bekannt. Schröder wurde mehrfach aufgefordert, seine engen Beziehungen entweder abzubrechen oder zu nutzen, um Putin zu einem Waffenstillstand in der Ukraine zu bewegen.

Am Donnerstag vergangener Woche hatte sich Gerhard Schröder mit seiner Frau Soyeon Schröder Kim in die Türkei aufgemacht. Beide wurden dort offenbar von einer russischen Maschine nach Moskau geflogen. Ein Instagram-Post von Soyeon Schröder Kim vom Freitagabend sorgte für viele Spekulationen.

Soyeon Schröder Kim betet für den Frieden, Gerhard führt Geheimgespräche

Die Schröder-Gattin zeigt sich auf dem Bild betend vor den Zwiebeltürmen des Kreml, aufgenommen wurde es offenbar im Kempinski-Hotel, das gegenüber dem Regierungssitz von Wladimir Putin am anderen Ufer des Moskwa-Flusses liegt. Die Initiative der Reise soll von der ukrainischen Regierung ausgegangen sein. Offiziell sind keine Informationen darüber nach außen gedrungen, wen Schröder gesprochen hat, ob er mit Putin zusammengetroffen ist oder nicht, welche möglichen Ergebnisse dabei zustande gekommen sind.

Selbst seine Partei, die SPD, aus der viele den Altkanzler gerne hinauswerfen würden, tappt im Dunklen, äußert sich jedenfalls entsprechend: „Ich persönlich und, soweit ich das sehe, auch das Bundeskanzleramt, wir haben keine Informationen darüber, was bei diesem Besuch rausgekommen ist“, sagte der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil am Dienstag in der RTL/ntv-Sendung „Frühstart“.

Er gehe allerdings davon aus, dass sich der Altkanzler schon bald an die Öffentlichkeit wende, fügte Klingbeil hinzu. „Er wird sich sicherlich erklären.“ Grundsätzlich äußerte sich Klingbeil erneut positiv zu der mutmaßlichen Reise: „Jedes Gespräch, was da geführt wird, kann mithelfen.“

Mit dem russischen Oligarchen im Luxushotel, Treffen mit russischem Delegationsleiter

Nun sind einige Details der Gespräche Schröders nach außen gedrungen. Wie t-online berichtet, soll Schröder vergangenen Donnerstag mit Putin und einem seiner Berater zusammengekommen sein. Außerdem habe er sich im Moskauer Prunkhotel Kremlin Lux mit dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch getroffen, Noch-Besitzer des britischen Fußballklubs Chelsea, nun allerdings mit umfangreichen Sanktionen belegt.

Das mehrstündige Gespräch soll weitere Kreise gezogen haben: Abramowitsch sei danach mit Kreml-Berater und Ex-Kulturminister Wladimir Medinski zusammengetroffen, der die russische Delegation in den Gesprächen mit der Ukraine anführt. Abramowitsch, der als enger Vertrauter Putins gilt, soll diesen gebeten haben, den Krieg zu beenden. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Abramowitsch aufgefordert, zu vermitteln.

Ukrainisch-russische Gespräche schreiten voran, während der Krieg eskaliert

Wenn die Gespräche das Ziel hatten, den Ukraine-Krieg unmittelbar zu beenden, sind sie wohl gescheitert: Russische Truppen haben am Dienstag Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew fortgesetzt, wieder starben Zivilisten. Doch parallel dazu sprachen beide Kriegsparteien weiter miteinander. Es ging um Fluchtkorridore aus den bombardierten Städten und die bislang unvereinbaren Vorstellungen des Aggressors Russland sowie der angegriffenen Ukraine. Beide Parteien waren von ihren Maximalforderungen bereits abgerückt: So hatte die ukrainische Regierung eine zukünftige Neutralität des Landes ins Spiel gebracht, Russland wiederum hat die Absetzung der ukrainischen Regierung nicht mehr als offizielles Ziel wiederholt.

Ob dies tatsächlich ein Schritt hin zu einer möglichen Verhandlungslösung ist, bleibt offen: Laut Berichten ist der von Moskau unterstützte Tschetschenenführer Kadyrow in der Ukraine. Mehrere Anschläge von tschetschenischen Kämpfern auf Präsident Selenskjj sollen in den vergangenen Tagen aufgeflogen sein. Spekulationen halten sich, dass Kadyrow Anführer einer von Moskau eingesetzten Marionettenregierung in der Ukraine werden könnte.