Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin: Russland soll deutsche Dienste auf allen Ebenen unterwandert haben.
Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin: Russland soll deutsche Dienste auf allen Ebenen unterwandert haben. Imago/IPON

Deutschland ist nach Ansicht des US-Geheimdienstexperten John Sipher von russischen Spionen unterwandert. „Die Russen haben weder Zeit noch Mühe gescheut, auf allen Ebenen in deutsche Einrichtungen einzudringen“, sagte der Ex-CIA-Agent in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus

Deutschland habe es jahrelang versäumt, etwas gegen die Infiltration zu unternehmen. „Der russische Geheimdienst ist unermüdlich und hat von der schwachen Spionageabwehr-Stimmung in Deutschland profitiert“, so Sipher. Seiner Ansicht nach würden auch andere westliche Geheimdienste einschätzen, dass Deutschland von Russen-Spionen unterwandert sei.

Andere Geheimdienste teilen ihre Erkenntnisse über Russland nicht mehr mit Deutschland

Das führe auch dazu, dass andere Geheimdienste ihre Informationen bezüglich Russland nicht mit Deutschland teilen würden. „Es herrschte immer die Sorge, deutsche Spione würden die Informationen an Moskau weiterleiten“, sagte der ehemalige Agentenausbilder, der auch in der Spionageabwehr der CIA tätig war. Die CIA habe sich beispielsweise geweigert, mit dem Bundesnachrichtendienst zusammenzuarbeiten, da eine „Kooperation in Bezug auf russische Ziele einfach vollkommen wertlos“ gewesen sei.

Der Ex-Agent war zudem nicht überrascht von der Enttarnung des russischen Spions Carsten L. in den Reihen des BND. „Die Russen sind Profis und haben enorme Mittel, um an solche Informationen zu kommen und Spione innerhalb deutscher Einrichtungen zu rekrutieren“, so der einstige Top-Agent zum Focus.

Moskau würde gezielt persönliche Schwachstellen von Mitarbeitern deutscher Geheimdienste und wichtiger Infrastrukturfirmen ausspionieren und diese dann gezielt ausnutzen. So bieten die Russen Geld oder appellieren an ideologische Anknüpfungspunkte.

Spektakuläre Agenten-Fälle werfen schlechtes Licht auf Deutschland

Vor Carsten L. waren weitere Fälle bekannt geworden. So sollen russische Agenten auch die Ausbildung ukrainischer Soldaten an Bundeswehr- und US-Standorten in Deutschland unter anderem mit Drohnen ausspioniert haben.

Zu den brutalsten Taten der Russen-Agenten in Deutschland zählt zudem der „Tiergartenmord“. Bei dem Attentat wurde Selimchan Changoschwili, ein Ex-Kommandeur tschetschenischer Milizen, mitten im Berliner Tiergarten ermordet. Der Täter konnte in unmittelbarer Nähe festgenommen werden. Er ist Russe und soll vom russischen Geheimdienst FSB beauftragt worden sein.

Deutschland stellt sich für Warnungen „taub“

Auch ein weiterer Ex-CIA-Agent warnt immer wieder vor den Russen-Spionen in Deutschland. Marc Polymeropoulos kritisiert, dass Deutschland und andere europäische Staaten viel zu naiv im Umgang mit den Russen-Geheimdiensten umgehen würden.

„Von Wahlbeeinflussungskampagnen bis zu Hinrichtungsmissionen – Russland behandelt Europa wie seine Spielwiese“, so Polymeropoulos gegenüber dem Spiegel. In Deutschland stoße er mit seinen Warnungen jedoch immer wieder „auf taube Ohren“.