Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko ist bereit zu kämpfen. AFP/Sergei Supinsky

Vitali Klitschko, Ex-Boxweltmeister und Bürgermeister von Kiew, ist bereit, die Ukraine im Falle einer russischen Invasion zu verteidigen. „Ich werde Kiew verteidigen, mit der Waffe in der Hand“, sagte der 50-Jährige im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP.

Angesichts des massiven russischen Truppenaufmarschs an der Grenze zur Ukraine bereitet Klitschko sich derzeit auf einen möglichen Angriff vor: „Ich trainiere die ganze Zeit, ich mache als ehemaliger Offizier und Chef der territorialen Verteidigung Fortbildungen“, erzählte Klitschko in seinem Bürgermeisterbüro, das mit einem seiner Weltmeister-Gürtel dekoriert ist. „Ich gehe auf eine Schießanlage. Ich kann mit fast jeder Waffe schießen.“

Kritik übte das ehemalige Box-Schwergewicht an Deutschland, wo er während seiner Sportlerkarriere lange gelebt und trainiert hat.

„Wir verstehen, dass weder die Deutschen, noch die Franzosen, noch die Amerikaner uns verteidigen werden. Das ist unsere Angelegenheit, das ist unser Land“, betonte Klitschko. „Schwer zu verstehen“ sei es aber „in diesem kritischen Moment“, dass Deutschland keine Waffen an die Ukraine liefere oder Lieferungen von Defensivwaffen durch andere Nato-Länder blockiere.

Angesichts des russischen Truppenaufmarsches an der Grenze zur Ukraine und einer erneuten Militärübung mit Belarus hat die Nato den Ausbau ihrer Präsenz im östlichen Bündnisgebiet auf den Weg gebracht. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur nahmen die 30 Mitgliedstaaten den Vorschlag der Militärs an.

Nato stationiert Truppen in weiteren Anrainer-Staaten der Ukraine

Dieser zielt insbesondere darauf ab, zur Abschreckung auch in südwestlich der Ukraine gelegenen Nato-Ländern multinationale Kampftruppen zu stationieren. Neben Rumänien sollen die Slowakei und Bulgarien Standorte für multinationale Nato-Einheiten bereitstellen. Bislang gibt es die sogenannten Battlegroups nur in Estland, Litauen und Lettland sowie in Polen.

Mit Spannung wird nun erwartet, wie Russland auf die Entscheidung der Nato reagiert. Kritiker befürchten, dass die Entsendung zusätzlicher Bündnistruppen in Richtung Osten zu einer weiteren Verschärfung des aktuellen Konflikts führen könnte.

USA rufen US-Bürger auf, die Ukraine zu verlassen

Die USA halten einen russischen Einmarsch in die Ukraine „jederzeit“ für möglich. US-Präsident Joe Biden rief US-Bürger am Donnerstag in einem vorab aufgezeichneten Interview mit dem US-Sender NBC auf, die Ukraine „jetzt“ zu verlassen. Washington werde unter keinen Umständen US-Truppen in die Ukraine schicken, auch nicht zur Rettung von US-Bürgern im Falle einer russischen Invasion, warnte er.

Dies würde „einen Weltkrieg“ auslösen, sagte Biden. „Wenn Amerikaner und Russen anfangen, aufeinander zu schießen, befinden wir uns in einer ganz anderen Welt.“