Der Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt/M.
Der Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt/M. dpa/Boris Rössler

Die Europäische Zentralbank (EZB, Frankfurt/M.) erhöht angesichts der Rekord-Inflation erstmals seit elf Jahren die Zinsen im sogenannten Euro-Raum, den 19 Staaten mit der Gemeinschaftswährung. Der Leitzins wurde unerwartet kräftig von null auf 0,50 Prozent erhöht. Außerdem müssen Banken, die Geld bei der Zentralbank parken, keinen „Negativzins“ mehr bezahlen. Sie sind also nicht mehr genötigt, das Geld zu verleihen und damit seine Menge im Umlauf zu erhöhen.

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Wenn Banken Geld von der EZB wollen, wird es für sie teurer

Die Erhöhung des Leitzinses, zu dem sich Geschäftsbanken Geld bei der EZB beschaffen, soll die Geldmenge beschränken, sodass die Inflation gebremst wird. Die Geldentwertung hatte im Euro-Raum im Juni einen Rekordwert erreicht: Die Verbraucherpreise lagen 8,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Für das gesamte Jahr 2022 erwartet die EU-Kommission 7,6  Prozent, deutlich mehr als die von der EZB angestrebten zwei Prozent.

Die EZB, in ihren Entscheidungen von der Politik unabhängig, saß in der Klemme. Kritiker hatten ihr vorgehalten, zu zögerlich gegen die Inflation vorzugehen, nachdem die Zinsen unter anderem in den USA schon angehoben worden waren. Die Frankfurter EZB-Banker hatten befürchtet, dass eine deutliche Zinserhöhung der ohnehin durch Corona und die Folgen des Ukraine-Kriegs angeschlagene Wirtschaft im Euro-Raum schaden und hoch verschuldete Staaten wie Italien überfordern könnte.

Zentralbank kündigt weitere Zinserhöhungen an

Deshalb wird jetzt ein neues Finanzinstrument geschaffen, um solche Überforderungen abzupuffern, denn die Zinserhöhung fällt  deutlicher aus als erwartet. Weitere Erhöhungen sollen folgen, kündigte die Zentralbank an.

Für die Sparer dürfte die Zinserhöhung und die Abschaffung der Negativzinsen bedeuten, dass Sparguthaben wieder besser oder überhaupt verzinst werden. Bei manchen Banken muss man sogar draufzahlen.