Einstmals unvorstellbar: Ein Bundeswehrgeneral der deutsch-französischen Brigade zeichnet einen französischen Hauptmann aus.
Einstmals unvorstellbar: Ein Bundeswehrgeneral der deutsch-französischen Brigade zeichnet einen französischen Hauptmann aus. obs/SWR

„Feuerwechsel.“ So war vor Jahrzehnten eine Karikatur unterschrieben, auf deren Zeichnungen jeweils ein deutscher und ein französischer Soldat im Lauf der Jahrhunderte aufeinander losgingen, mit hasserfüllten Gesichtern. Das letzte Bild zeigte dann zwei Soldaten der Gegenwart, die sich erneut gegenseitig Feuer gaben. Für ihre Zigaretten.

Aussöhnung ist ein mühseliges Geschäft

Diese Entwicklung ist nicht hoch genug zu schätzen, ist das Geschäft der Aussöhnung doch mühselig. Die ungeschickte Umarmung De Gaulles und Adenauers 1963 war wie ein Symbol dafür. Historische Erfahrungen graben sich tief ein, die Wunden der Vergangenheit heilen sehr langsam. 

Ob es wirklich eine deutsch-französische Freundschaft gibt, sei hier mal dahingestellt. Zu wenig wissen die meisten Deutschen über Frankreich, zu wenig die meisten Franzosen über Deutschland, zu wenige sprechen die jeweils andere Sprache (es ist schon peinlich, dass sich junge Leute dies- und jenseits des Rheins auf Englisch unterhalten müssen).

Mindestens allerdings ist es eine Partnerschaft, die zu pflegen überaus wichtig ist, und im Prinzip läuft die Achse Berlin-Paris ganz gut (bei jedem alten Ehepaar kracht es mal).

Allein sind Deutschland und Frankreich klein

Frankreich und Deutschland sind in der Europäischen Union die Schwergewichte, und sie müssen dringend kooperieren: Denn jeder für sich ist in der Welt eher ein kleines Licht, so sehr man sich auch als wirtschaftlicher Riese unter dem flügelspreizenden Adler beziehungsweise als atomwaffenbewehrte Macht unter dem stolzen Hahn sehen mag.

Nur mit einer gemeinsamen Anstrengung kann es Deutschen und Franzosen gelingen, Europa und damit sich selbst im internationalen Spiel der Mächte zu halten. Ökonomisch, sozial, wissenschaftlich, ökologisch, militärisch. Und zwar nicht als Spielball.