Zuletzt war der Euro 2002 nur einen Dollar wert.
Zuletzt war der Euro 2002 nur einen Dollar wert. dpa/Oliver Berg

Es ist zwanzig Jahre her, dass der gerade als Bargeld eingeführte Euro nur einen Dollar wert war, jetzt ist es wieder soweit.  Schon seit Monaten geht es mit der gemeinsamen Währung der 19 Euroländer bergab. Was sind die Ursachen? Und was sind die Folgen des Wertverlusts? Fragen und Antworten:

Warum ist der Euro so schwach? Fachleute erklären die Euro-Schwäche vor allem mit zwei Entwicklungen. Zum einen geht derzeit die Furcht vor einem wirtschaftlichen Absturz um. „Die Rezessionsängste in Europa verschärfen sich“, kommentieren zum Beispiel Analysten der Commerzbank.  Dafür gibt es einige Gründe, vor allem aber hat der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine die hohe Abhängigkeit Europas von russischen Gaslieferungen  vor Augen geführt. Russland hat seine Lieferungen bereits stark reduziert. Sollten sie ganz ausbleiben, könnte dies eine tiefe wirtschaftliche Rezession auslösen.  Ein zweiter wichtiger Grund ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Europäische Zentralbank schreckt vor deutlichen Zinssteigerungen zurück

Welche Rolle spielt die Europäische Zentralbank? Viele andere Notenbanken, allen voran die  US-Notenbank Federal Reserve, haben den Kampf gegen die hohe Inflation bereits aufgenommen und ihre Leitzinsen meist deutlich angehoben. Das macht insbesondere den Dollar attraktiver und teurer. Die EZB stellt allerdings eine der wenigen Ausnahmen dar, sie hat sich bisher nur zu einer Ankündigung durchgerungen. Noch im Juli sollen die Leitzinsen im Euroraum erstmals seit elf Jahren steigen, allerdings nur um 0,25 Prozentpunkte. Das ist im Vergleich wenig. Die EZB fürchtet, mit höheren Zinsen der Wirtschaft zu schaden.

Was sind die Nachteile eines schwachen Euro? Die zunehmende Schwäche des Euro kommt im aktuellen Umfeld mit sehr hohen Inflationsraten äußerst ungelegen. Denn je niedriger der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung ist, desto stärker werden im Verhältnis andere Währungen wie beispielsweise der US-Dollar. Das führt dazu, dass nach Deutschland eingeführte Waren teurer werden. Die Inflation wird dadurch zusätzlich angefacht.

EZB-Chefin Christine Lagarde und ihr Präsidium schrecken vor deutlichen Zinserhöhungen noch zurück
EZB-Chefin Christine Lagarde und ihr Präsidium schrecken vor deutlichen Zinserhöhungen noch zurück AFP Pool/Daniel Roland

Billiger Euro macht Energie teurer, weil Öl und Gas in Dollar abgerechnet werden

Verbraucher müssen bei sinkendem Eurokurs also noch tiefer in die Tasche greifen, um ihre Lebenshaltungskosten zu stemmen. Vor allem die bereits hohen Energie- und Rohstoffpreise drohen weiter zu steigen. Denn gezahlt wird international üblich in US-Dollar. Und der auch Greenback genannte Dollar wertet auf, wenn der Euro abwertet. Auch der Urlaub im vielen Ländern ohne die Gemeinschaftswährung dürfte mit fallendem Euro tendenziell teurer werden.

Gibt es auch Profiteure? Ja, insbesondere in der Exportnation Deutschland. Denn deutsche Waren werden mit fallendem Euro-Wechselkurs für andere Länder günstiger. Ein wechselkursbedingter Nachfrageschub könnte also dazu führen, dass die befürchtete wirtschaftliche Abschwächung zumindest abgebremst wird. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die wirtschaftliche Lage in vielen anderen Ländern ähnlich ungünstig wie in Deutschland ist. Die Auslandsnachfrage dürfte konjunkturell bedingt also eher fallen als steigen, was den positiven Nachfrageeffekt durch den schwachen Euro zumindest ausbremst.

Billiger Euro – das ist vor allem ein Image-Problem

Wie geht es  weiter? Besondere wirtschaftliche Auswirkungen hat ein Kursverfall auf Parität zwar nicht. Allerdings ist die Signalwirkung groß: So wurde zur Einführung des Euro für die Kursdarstellung nicht wie einst für die D-Mark eine Preisnotierung gewählt. Diese fragte danach, „was kostet der US-Dollar?“. Stattdessen hat man sich für die Mengennotierung entschieden, bei der gefragt wird, „was kostet der Euro?“. Und das ist eben wenig.