Tausende Migranten sind nach dem Brand im Lager Moria obdachlos. Foto: AFP/ A. Tzortzinis

Berlin - Die Bundesregierung ist enttäuscht: Kein anderes EU-Land will sich an der Aufnahme von 1553 Flüchtlingen aus griechischen Lagern beteiligen. Berlin steht mit dem Vorhaben, 408 Familien aufzunehmen, isoliert da. Wird der gut gemeinte deutsche Alleingang den Streit um die Migrationspolitik in der EU verschärfen?

Innenminister Horst Seehofer (CSU) jedenfalls erkennt wenig Bereitschaft anderer EU-Staaten, sich nach dem Brand im Migranten-Lager Moria um die Flüchtlinge zu kümmern. Elf europäische Länder wollen zwar insgesamt rund 400 unbegleitete Minderjährige aufnehmen – aber weitere Unterstützungsangebote dieser Art bleiben aus. Österreichs Kanzler Sebastian Kurz etwa sagt: „Wenn wir diesem Druck jetzt nachgeben, dann riskieren wir, dass wir dieselben Fehler machen wie im Jahr 2015.“ Dies würde noch mehr Migranten ermutigen, sich auf den Weg nach Europa zu machen.

Streit über Flüchtlinge seit Jahren verhärtet

Die EU-Staaten streiten bei diesem Thema seit Jahren verbittert. Knackpunkt ist die Verteilung Schutzsuchender. Das aktuelle System belastet vor allem die Länder an den EU-Außengrenzen. Deshalb entschieden die EU-Staaten im Herbst 2015 die Umverteilung von bis zu 160.000 Asylbewerbern. Ungarn, Polen und Tschechien stemmten sich jedoch beharrlich dagegen. Seitdem werden die Risse immer tiefer.

Die EU-Kommission will in wenigen Tagen neue Reformvorschläge präsentieren, über die EU-Staaten und EU-Parlament dann verhandeln müssen. Seehofer wird die Beratungen der europäischen Länder leiten. Doch die dramatische Lage der Migranten auf den griechischen Inseln verlangt eigentlich nach schnellen Lösungen.  In der Nacht zu Mittwoch hat es erneut in der Nähe eines Flüchtlingslagers gebrannt – diesmal auf der Insel Samos. (mit dpa)