Polizisten entfernen einen Demonstranten vom Gelände, das RWE gehört.
Polizisten entfernen einen Demonstranten vom Gelände, das RWE gehört. AFP/Ina Fassbender

Mit dem Scheitern der letzten Eilverfahren begann der Räumungseinsatz für das von Klimaaktivisten besetzte Dorf Lützerath im rheinischen Braunkohlerevier. In gleich zwei Eilverfahren scheiterten die Klimaschützer vor dem Verwaltungsgericht Aachen, das ihnen untersagte, in ihrem Protestcamp weiter auf dem Gelände zu bleiben, das dem Energieriesen RWE gehört.

Mit Molotowcocktails und Feuerwerkskörpern setzten sich die Aktivisten gegen die anrückende Polizei zur Wehr.
Mit Molotowcocktails und Feuerwerkskörpern setzten sich die Aktivisten gegen die anrückende Polizei zur Wehr. dpa/Rolf Vennenbernd

Mittwochfrüh umstellten Polizeikräfte den Ort und begannen damit, den Bereich zu umzäunen, mehr als 1500 Einsatzkräfte standen den insgesamt rund 800 Umweltschützern entgegen. Als Antwort auf den Räumungsstart flogen Molotowcocktails, Pyrotechnik und Steine in Richtung Polizei. Mit Barrikaden und Menschenketten wehrten sich die Aktivisten dagegen, das Dorf den Braunkohlebaggern zu überlassen.

Der Energiekonzern RWE will den bei Lützerath liegenden Tagebau Garzweiler ausdehnen und die unter dem Ort liegende Kohle abbauen, wozu das von den früheren Bewohnerinnen und Bewohnern verlassene Dorf abgerissen werden muss.

Als eine der ersten Maßnahmen werde „aus Sicherheitsgründen“ ein gut anderthalb Kilometer langer Bauzaun aufgestellt. „Er markiert das betriebseigene Baustellengelände, wo in den nächsten Wochen die restlichen Gebäude, Nebenanlagen, Straßen und Kanäle der ehemaligen Siedlung zurückgebaut werden“, erklärte RWE. Zudem würden Bäume und Sträucher entfernt.

Polizisten müssen 25 Baumhäuser räumen, die die Umweltaktivisten gebaut haben.
Polizisten müssen 25 Baumhäuser räumen, die die Umweltaktivisten gebaut haben. AFP/Ina Fassbender

Die Räumung ist eine der schwierigsten Polizei-Einsätze der letzten Jahre. Die Aktivisten haben etwa 25 Baumhäuser errichtet, einige davon in großer Höhe.

Der Konflikt um Lützerath hält seit Monaten an, der Ort ist ein zentrales Symbol für Klimaschutz-Aktivisten aus ganz Deutschland. Die Sprecherin von Fridays for Future, Pauline Brünger, betonte, dass ihre Organisation friedliche Demonstrationen wolle. „Wir setzen darauf, dass wir uns mit einer breiten Bewegung entgegenstellen.“ Wichtig sei, „dass die Kohle im Boden bleibt“.

Den Grünen warf Brünger vor, einen „schmutzigen Deal“ mit RWE ausgehandelt zu haben. Dadurch werde kein einziges Gramm CO2 eingespart, sondern die Profite von RWE würden weiter geschützt. Die jeweils grünen Wirtschaftsministerien in Bund und im Land Nordrhein-Westfalen hatten mit RWE einen vorgezogenen Ausstieg aus der Kohleverstromung für 2030 statt 2038 vereinbart, dafür das Gebiet um Lützerath freigegeben.