Das VW-Werk in Wolfsburg: Hier ruhte 2016 tagelang die Arbeit, weil von Zuliefer-Firmen keine Teile kamen.  Foto: Jan Hübner / imago images

Im neuesten VW-Skandal gibt es jetzt offenbar eine Leiche: Ein Volkswagen-Manager soll am Montag verbrannt sein. In einer Mercedes-Limousine.  Der Mann war verdächtig, 2017 und 2018 interne Gespräche aufgezeichnet zu haben, bei denen Spitzenmanager von VW in geheimer Runde besprachen, wie sie das missliebige  Zulieferunternehmen Prevent ausbooten können.

Am Montagabend war die Feuerwehr zu einem Feuer auf einem Feld am Rande des Dorfs Rottorf (Kreis Helmstedt) gerufen worden. Dort fand sie den brennenden Wagen und darin den Toten. Nach übereinstimmenden Berichten verschiedener Medien aus Niedersachsen ist der Tote der freigestellte VW-Manager.

Er wohnte keine sechs Kilometer entfernt im Ort Grasleben kurz vor der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Dort war sein Fachwerk-Haus samt Scheune am 26. Mai abgebrannt, es gibt offenbar Hinweise auf einen Anschlag. Damals war niemand verletzt worden, weil kein Bewohner zu Hause war.

Der Mann soll bei 35 Gelegenheiten 50 Stunden Gespräche aufgezeichnet haben - VW-intern sowie bei VW-Treffen mit Prevent-Vertretern. Laut dem Portal Business Insider, dass den Fall Ende Juli bekannt gemacht hatte, ermittelte die Konzernsicherheit den Manager als den Spion, der die Aufnahmen machte.

Ende Mai brannte das Haus des mutmaßlichen Todesopfers ab. Foto: Feuerwehr Grasleben

Er wurde freigestellt und Anzeige erstattet. Der Mann soll jedoch im Konzern als auch gegenüber der Staatsanwaltschaft bestritten haben, unlautere Motive gehabt zu haben. Vielmehr habe er die Gespräche aufgenommen, um Protokolle erstellen zu können.

Ob das stimmt oder aus welchem anderen Motiv heraus er die Gespräche mitgeschnitten hat, ist mit dem Tod des Mannes jetzt noch schwerer zu ermitteln. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig, die den Fall führt und bereits eine Razzia durchgeführt hatte, versucht jedoch, Verbindungen zwischen dem Hausbrand und dem Toten im Mercedes zu finden. Er sei noch nicht endgültig identifiziert, Hinweise auf „Fremdverschulden“, also ein Verbrechen, gebe es bislang nicht. Weitere Details gibt die Staatsanwaltschaft nicht preis.

Hintergrund der Affäre ist das Verhältnis zwischen VW und Prevent. Sie kooperierten seit rund vier Jahrzehnten. Dann aber gab es Rechtsstreitigkeiten über Preise und Lieferkonditionen. Der Konflikt eskalierte, und 2016 stellten Firmen aus dem Netzwerk von Prevent die Lieferung von Getriebegehäusen und Sitzbezügen ein. In mehreren VW-Werken standen die Bänder deshalb tagelang still. Deshalb versuchte VW offenbar, den Zulieferer los zu werden, und gründete dazu die geheime Steuerungsgruppe. 

VW teilte im Zusammenhang mit der Abhöraffäre mit: „Volkswagen liegen dazu keine bestätigten Informationen vor. Zum Verfahren gegen den freigestellten Mitarbeiter äußern wir uns wie bislang nicht, sondern verweisen auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig.“ Prevent ließ erklären, dass man nichts von den Mitschnitten gewusst hätte.