Wer viel hat, erbt in der Regel viel. 
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 Vor dem Tod sind alle gleich, beim Erben nicht: Die jährlich etwa 134 Milliarden Euro Erbschaften und Schenkungen in Deutschland machen Vermögende noch reicher. Laut einer Studie geht fast die Hälfte des Volumens an die reichsten zehn Prozent der Begünstigten. „Das verschärft die absolute Vermögensungleichheit“, sagt   Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Nach der Studie des DIW, der Uni Vechta und des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) haben binnen 15 Jahren (2002-2017) rund zehn Prozent aller Erwachsenen geerbt oder eine größere Schenkung zu Lebzeiten von Eltern oder Großeltern erhalten. Im Schnitt waren es inflationsbereinigt pro Person rund 85.000 Euro, bei Schenkungen 89.000 Euro, jeweils 20 Prozent mehr als 2001.  

Zwar sinkt die relative Ungleichheit durch Erbschaften und Schenkungen tendenziell, da das Vermögen auf mehrere Personen verteilt wird. „Gleichzeitig wird der Abstand zwischen denen, die erben, und denen, die leer ausgehen, immer größer“, erläuterte Grabka. „Kinder aus einem Haushalt mit höherem Einkommens- und Vermögensniveau erhalten im Schnitt höhere Erbschaften und Schenkungen.“

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Der Studie zufolge profitierte im Zeitraum 2002 bis 2017 das reichste Fünftel (20 Prozent) der Bevölkerung, das zwei Drittel des deutschen Privatvermögens von 13,8 Billionen Euro besitzt, von den größten Erbschaften und Schenkungen: Im Schnitt 145.000 Euro. Nur zwei Prozent des ärmsten Fünftels erhielten überhaupt etwas. Hier fiel die Summe mit 10.000 Euro im Schnitt am geringsten aus.

Der Studie zufolge wird in Ostdeutschland weniger vererbt: Menschen in der DDR waren systembedingt weniger in der Lage, Vermögen aufzubauen.  Erbten Westdeutsche im Schnitt rund 92.000 Euro, erhielten Ostdeutsche 52.000 Euro.  

Die Autoren plädieren für Änderungen des Steuerrechts. Die Politik sollte gegensteuern, „indem sie beispielsweise verhindert, dass das Vererben großer Vermögen mit der Zehnjahresfrist zeitlich gesplittet wird“, schlägt Studienautorin Claudia Vogel vom DZA vor. Derzeit können alle zehn Jahre Freibeträge in Anspruch genommen werden.