Sturm auf das Kapitol: Die Fotos, die Chansley mit nacktem Oberkörper voller Tätowierungen, bemaltem Gesicht, einer Fellmütze mit Büffelhörnern und einem Speer mit US-Flagge zeigen, gingen um die Welt (Archivfoto).     AP/Manuel Balce Ceneta 

Der mit seiner Büffelhorn-Fellmütze beim Angriff auf das US-Kapitol im Januar als „QAnon-Schamane“ bekannt gewordene Jacob Chansley ist zu knapp dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Bundesrichter in der US-Hauptstadt Washington verhängte am Mittwoch eine 41-monatige Haftstrafe gegen den 34-Jährigen. Das entspricht drei Jahren und fünf Monaten Gefängnis. Chansley alias Jake Angeli hatte sich im September der Behinderung eines offiziellen Vorgangs schuldig bekannt.

Der Mann aus Phoenix im Bundesstaat Arizona hatte am 6. Januar 2021 gemeinsam mit anderen Anhängern des abgewählten Präsidenten Donald Trump das Kapitol gestürmt. Bilder Chansleys mit nacktem Oberkörper voller Tätowierungen, bemaltem Gesicht, einer Fellmütze mit Büffelhörnern und einem Speer mit US-Flagge gingen um die Welt. Der selbsternannte „Schamane“ und Anhänger der QAnon-Verschwörungstheorie wurde damit zu einem der bekanntesten Kapitol-Angreifer - und zu einem Gesicht der Gewalt vom 6. Januar.

„Was Sie getan haben, war furchtbar“, sagte Richter Royce Lamberth an die Adresse des Angeklagten gerichtet. Chansley zeigte sich reumütig. „Männer mit Ehre geben zu, wenn sie einen Fehler gemacht haben“, sagte der 34-Jährige. „Es war ein Fehler, in das Kapitol einzudringen. Es gibt dafür keine Entschuldigung.“

In langen Ausführungen sprach Chansley von psychischen Problemen, unter denen er leide, und nahm unter anderem Bezug auf Jesus, Mahatma Gandhi und Buddha. Er betonte: „Ich bin kein Aufständischer. Ich bin sicherlich kein inländischer Terrorist.“

Dieses Foto von Jacob Chansley veröffentlichte die Polizei.  AP/Alexandria Sheriff's Office

Chansley gehörte nach Angaben der US-Justiz zu den ersten 30 Angreifern, die am 6. Januar in das Innere des Parlamentsgebäudes stürmten. Er drang bis in den Plenarsaal des Senats vor und setzte sich sogar an das Pult, an dem zuvor der damalige Vizepräsident Mike Pence in seiner Rolle als Senatspräsident gestanden hatte.

Laut Anklage bezeichnete Chansley den Vizepräsidenten als „verdammten Verräter“ und schrieb auf einen Zettel: „Es ist nur eine Frage der Zeit. Gerechtigkeit wird kommen!“ Pence hatte die Wut vieler Trump-Anhänger auf sich gezogen, weil er sich weigerte, eine Zertifizierung des Siegs des Demokraten Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl vom 3. November 2020 zu blockieren. Einige Kapitol-Angreifer riefen sogar „Hängt Mike Pence“.

Chansley saß seit dem Sturm auf das Kapitol in Untersuchungshaft

Chansley wurde wenige Tage nach dem Sturm auf das Kapitol verhaftet und saß seitdem in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hatte 51 Monate und damit mehr als vier Jahre Gefängnis für ihn gefordert. Theoretisch hätten Chansley bis zu 20 Jahre Haft gedroht. Die nun verhängte 41-monatige Strafe ist - zusammen mit einer Haftstrafe gleichen Umfangs gegen einen anderen Kapitol-Angreifer - die höchste Gefängnisstrafe im Zuge der Aufarbeitung des 6. Januar.

Radikale Trump-Anhänger hatten das Kongressgebäude gestürmt, als dort Bidens Wahlsieg endgültig bestätigt werden sollte. Fünf Menschen starben bei oder am Rande der Gewalt, unter ihnen ein Polizist und eine von der Polizei erschossene Angreiferin.