Die Einkommensteuer sollte jetzt sinken, fordert der Bund der Steuerzahler.
Die Einkommensteuer sollte jetzt sinken, fordert der Bund der Steuerzahler. dpa-tmn/Franziska Gabbert

Ob Benzin, Gas, Strom oder Lebensmittel – seit Monaten steigen die Preise rasant an. Allein im Monat Dezember legte die Teuerungsrate um 5,3 Prozent zu. Doch könnte die Rekord-Inflation für Verbraucher auch etwas Gutes haben?

Wegen der hohen Inflationsrate hat der Bund der Steuerzahler jetzt die Bundesregierung aufgefordert, die Einkommensteuer zu senken. „Der Einkommensteuertarif 2022 beruht auf Inflationsprognosen aus dem Jahr 2020, die längst völlig überholt sind“, sagte Verbandspräsident Reiner Holznagel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Der aktuelle Tarif basiere auf einer Inflationsrate von 1,17 Prozent, tatsächlich betrage sie aber nach jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes aufs Jahr gerechnet 3,1 Prozent.

Grundfreibetrag müsste auf 10.046 Euro steigen

Nach Berechnung des Verbands müsste der Grundfreibetrag der Einkommensteuer von derzeit 9984 auf 10.046 Euro steigen. Auch der Spitzensteuersatz und andere Eckwerte müssten später greifen. So würde der Spitzensteuer­satz von 42 Prozent dann erst ab 59.714 statt ab 58.597 Euro greifen. In der Summe ergäben sich massive Entlastungen: Die Steuerzahler müssten dann insgesamt 2,6 Milliarden Euro weniger zahlen, Bund, Länder und Kommunen würden entsprechend weniger einnehmen.

Mit einer solchen Reform würde die neue Bundes­regierung ein starkes Signal der Fairness und Verlässlichkeit an die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen senden, sagte Holznagel.

Wird der Steuertarif nicht an die Preissteigerung angepasst, entsteht die sogenannte kalte Progression, eine Art schleichende Steuererhöhung. Dann zahlt ein Arbeitnehmer im ungünstigsten Fall mehr Steuern ohne sich tatsächlich mehr leisten zu können. Denn obwohl eine Gehaltserhöhung komplett durch die Inflation aufgefressen wird, steigt die Steuerbelastung. Damit profitiert der Fiskus überproportional stark von den Lohnerhöhungen.