Die Angst vor Gas-Engpässen im Winter sorgt mitten im Sommer für einen Nachfrageboom bei Heizlüftern.
Die Angst vor Gas-Engpässen im Winter sorgt mitten im Sommer für einen Nachfrageboom bei Heizlüftern. dpa/Felix Hörhager

Steigende Gaspreise und die Angst vor Gasmangel im Herbst und Winter lassen Verbraucher zu fragwürdigen Alternativen greifen. So ist der Verkauf strombetriebener Heizlüfter in Deutschland sprunghaft angestiegen: Von Januar bis Juni 2022 wurden in Deutschland rund 600.000 Einheiten verkauft, das entspricht einem Plus von knapp 35 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, wie das Marktforschungsunternehmen GfK auf Anfrage des Tagesspiegel mitteilte.

Riesige Nachfrage nach Heizlüftern

Experten warnen bereits vor Stromausfällen, wenn Hunderttausende Haushalte im Winter auf diese Geräte setzen sollten. Denn „Strom statt Gas“ ist keine Lösung, warnen der Energieverband und die Bundesnetzagentur.

„Elektronische Heizgeräte wie Heizlüfter, Radiatoren und Konvektoren sind nicht dafür gemacht, eine Heizung zu ersetzen, und sollten daher nur mit Bedacht eingesetzt werden“, sagte eine Sprecherin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntagsausgaben).

Überlastung der Stromnetze droht

Aufgrund ihres sehr hohen Strombedarfs könnten die Geräte den Stromverbrauch eines Haushalts sehr stark erhöhen, sagte sie. „Das führt angesichts der hohen Strompreise nicht nur zu hohen Kosten, sondern kann auch die Stromnetze überlasten, die nicht für einen solchen Anstieg des Stromverbrauchs ausgelegt sind.“

Ein Sprecher der Bundesnetzagentur riet ebenfalls von der Nutzung elektrischer Heizgeräte ab. „Strom statt Gas zur Wärmeversorgung zu nutzen ist – auch bei den aktuellen Gaspreisen – wirtschaftlich wenig attraktiv“, sagte er der Funke Mediengruppe.

Warnung vor Stromkrise

Nun warnt FDP-Chef Christian Linder auch vor einer Stromkrise und fordert Wirtschaftsminister Robert Habeck auf, die Stromerzeugung mit Gas einzustellen – und stattdessen wieder auf Kernenergie zu setzen.

Finanzminister Christian Lindner (FDP) sieht Deutschland bereits zusätzlich zur Gaskrise auf eine Stromkrise zusteuern. Er forderte Wirtschaftsminister Robert Habeck deshalb auf, die Stromproduktion mithilfe von Gas zu stoppen. „Wir müssen daran arbeiten, dass zur Gaskrise nicht eine Stromkrise kommt“, so Linder in der Bild-Zeitung. „Deshalb darf mit Gas nicht länger Strom produziert werden, wie das immer noch passiert.“ Habeck hätte die gesetzliche Ermächtigung, dies zu unterbinden, fügte Lindner hinzu.

Der Finanzminister sprach sich in diesem Zusammenhang erneut für einen Weiterbetrieb der Atomkraftwerke in Deutschland aus, um „andere Stromkapazitäten“ zu erhalten. „Vieles spricht dafür, die sicheren und klimafreundlichen Kernkraftwerke nicht abzuschalten, sondern nötigenfalls bis 2024 zu nutzen“, sagte er.

Damit vertritt Lindner auch die Meinung der Mehrheit der Grünen-Wähler. 54 Prozent sprachen sich in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa für die Bild am Sonntag für eine Laufzeitverlängerung aus, um die Energieversorgung unabhängiger von russischem Gas zu machen. 38 Prozent der Grünen-Wähler waren gegen einen Weiterbetrieb.