Foto: Steffen Kugler/Bundesregierung/dpa

Miraculix schneidet Misteln mit einer goldenen Sichel, kocht sie kurz mit ein paar anderen Kräutern auf, und - zack - hat der Druide seinem trotzigen Gallierdorf einen Zaubertrank gebraut, der unermesslich stark macht. 

Das ist ulkig, aber leider scheinen viele Politiker und Kommentatoren ihre Kenntnisse über die Herstellung eines Impfstoffs aus zu viel Asterix-Lektüre zu beziehen. Anders ist nicht zu verstehen, wie viele sich vor dem „Impfgipfel“ berufen fühlen, mit bedeutungsvollem Gesichtsausdruck zu fordern, es müsse jetzt und sofort möglichst viel Anti-Corona-Impfstoff geben.

Die Produktion ist kompliziert und erst nach Wochen oder Monaten stabil, das Produkt empfindlich, seine Komponenten müssen aus verschiedenen Quellen zusammengeführt werden. Allein beim Hersteller Moderna durchläuft das Vakzin in den USA von der Grundstofffabrikation über die eigentliche Produktion bis hin zur Abfüllung vier Werke.

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Natürlich ist es mehr als ärgerlich, wenn Verzögerungen eintreten, und die Hersteller sind naturgemäß nicht nur auf das Allgemeinwohl ausgerichtet. Aber sie haben es geschafft, in weniger als einem Jahr Impfstoffe mit offenbar guter Wirksamkeit zu entwickeln. Dafür gebührt ihnen Applaus. Vielleicht hat das einen Überschwang der Gefühle verursacht, der sie unter Ausblendung möglicher Produktionsprobleme zu Versprechungen über lieferbare Mengen verführte, die sie zunächst nicht halten können.

Aber es ist ja immer einfacher, auf die EU einzuschlagen,  weil vielleicht Fehler bei der Bestellung gemacht hat. Sie hat aber mit der Streuung über mehrere Anbieter das Richtige getan und auf einer tiefgehenden Prüfung der Vakzine beharrt, die es beispielsweise Russland bei seinen Impfstoffen nicht gab.

Und deshalb sollten alle selbsternannten Bescheidwisser fein stille sein.