Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat den Corona-Impfstoff des Pharmakonzerns Astrazeneca zugelassen. Foto: AFP/Justin Tallis

Nach den Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna hat die Europäische Arzneimittelagentur EMA dem britisch-schwedischen Produkt Astrazeneca die bedingte Zulassung erteilt. Das Mittel wurde zusammen mit der Universität Oxford entwickelt und soll bei Menschen über 18 Jahren zum Einsatz kommen, wie die EMA mitteilte.

Bei einer bedingten Zulassung ist der Hersteller verpflichtet, auch danach noch Daten etwa zur Langzeitwirkung an die EMA zu übermitteln. Auch Angaben zu möglichen Nebenwirkungen werden weiterhin geprüft.

In Großbritannien ist das Vakzin seit Jahresende 2020 zugelassen und wird dort und in weiteren Ländern wie Indien an alle Altersgruppen verimpft. Die finale Entscheidung muss nun noch von der Europäischen Kommission gefällt werden. Dies gilt als Formsache. Es wäre die dritte Zulassung für einen Covid-19-Impfstoff in der Europäischen Union.

Impfstoff nur für unter 65-Jährige empfohlen?

Im Gegensatz zur Entscheidung der EMA steht allerdings die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts. Diese hatte schon vor der Zulassung durch die EMA das Astrazeneca-Vakzin nur für Menschen unter 65 Jahren empfohlen.

In einem Entwurf hieß es am Donnerstag, das Präparat solle in den einzelnen Stufen, die die Priorisierung festlegen, „jeweils nur den Personen angeboten werden, die 18-64 Jahre alt sind“. Der Grund: Zur Beurteilung der Impfeffektivität ab 65 Jahren lägen „aktuell keine ausreichenden Daten“ vor.

Abgesehen von dieser Alterseinschränkung werde der Impfstoff jedoch als gleichermaßen geeignet angesehen.

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Nun wird sich entscheiden, welchen Weg die Bundesregierung gehen wird. Wenn Gesundheitsminister Jens Spahn die Stiko-Empfehlung wählt, wird sich die Impfreihenfolge in Deutschland zwangsläufig ändern müssen - möglicherweise werden fortan mehrere Altersgruppen - über 80-Jährige aus Gruppe 1 und Menschen ab 60 Jahren aus Gruppe 3 - parallel geimpft.

Denkbar ist es auch, das Vakzin vor allem bei Beschäftigten in medizinischen Einrichtungen oder beim Pflegepersonal einzusetzen. Damit wäre aber auch klar, dass die mangelnde Verfügbarkeit der Impfstoffe für Hochbetagte, die ein hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Covid-19-Verlauf haben, sich weiterhin verschärfen wird.

Wann wird Impfstoff geliefert?

Die große Frage ist jedoch: Wann wird der Impfstoff geliefert? Die EU-Kommission ist in einen offenen Streit mit dem Hersteller verstrickt. Wegen angeblicher Produktionsprobleme sollen große Mengen des Impfstoffes für Deutschland und andere EU-Länder erst Wochen oder Monate später geliefert werden.

Die EU hatte insgesamt 400 Millionen Impfdosen geordert und pochte gegenüber Astrazeneca auf die Einhaltung des Vertrags, den die EU-Kommission gestern offen legte. Zudem beschloss die EU Exportkontrollen für Impfstoffe.

Die Bundesregierung plant für Montagabend einen Impfgipfel wegen des Liefer-Chaos. Bei dem Treffen sollen Bund, Länder, Pharma-Firmen und Vertreter der EU zusammenkommen und ein verlässlicher Impfplan für die nächsten Monate besprochen werden.

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Der Impfstoff von Astrazeneca gilt als der große Hoffnungsträger in Europa, weil er günstig ist und bei normalen Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad gelagert werden kann. Damit könnte er auch von Hausärzten in Praxen ver­impft werden.