Kein Tag ohne Shopping! Fachleute fordern, dass Kunden auch sonntags einkaufen dürfen. dpa/Niall Carson

Während der Online-Einkauf boomte, hat der stationäre Einzelhandel in der Corona-Pandemie besonders stark gelitten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fordert deshalb jetzt eine Lockerung der Ladenöffnungszeiten – und zwar auch jeden Sonntag, bis Jahresende!

„Eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ist dringend geboten, damit der stationäre Einzelhandel sich im Wettbewerb gegen den Onlinehandel behaupten und Arbeitsplätze sichern kann“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher dem Handelsblatt. Die Verschiebung hin zum Onlinehandel in der Pandemie werde sich nicht komplett umkehren.

Fairer Wettbewerb angemahnt

Fratzscher sieht dem Bericht zufolge die Politik in der Pflicht, für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen. Das könne nicht bedeuten, dass Menschen 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche online einkaufen könnten, aber der stationäre Einzelhandel ein „enges Korsett“ habe und auch sonntags geschlossen sein müsse. „Anstelle von Sanktionen oder Abgaben für den Onlinehandel sollte die Politik den stationären Einzelhandel attraktiver machen“, wurde der Ökonom zitiert.

Sonntags-Öffnung im Einzelhandel bis Jahresende?

Damit stützt der Experte Rufe aus der Branche nach mehr Verkaufstagen. „Kurzfristig sollte es gerade mit dem Blick auf einen kraftvollen Neustart nach der Pandemie allen Einzelhändlern offenstehen, zumindest die restlichen Sonntage in diesem Jahr ihre Türen für alle Kunden zu öffnen“, sagte Stefan Genth, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das gäbe Händlern die Chance, wenigstens einen Teil des entgangenen Umsatzes nachzuholen.

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Der Handel fordert seit Jahren mehr Möglichkeiten, an Sonntagen zu öffnen. Gewerkschaften und Kirchen stemmen sich dagegen. Es brauche dringend eine „Enttabuisierung des Themas“, sagte Genth.

Onlinehandel steigerte Absatz im Corona-Jahr enorm

Der Einzelhandel hatte im Corona-Jahr 2020 seinen Umsatz zwar so stark steigern können wie lange nicht, es boomte aber vor allem der Onlinehandel. So erzielte der US-Konzern Amazon in Deutschland knapp 29,6 Milliarden Dollar (25 Mrd. Euro) Umsatz und damit mehr als 30 Prozent mehr als 2019.

Auch Lebensmittelhändler sowie Möbel- und Heimwerkermärkte machten gute Geschäfte. Der Textilhandel stürzte dagegen tief in die Krise.