Olaf Scholz (SPD) ist seit heute Bundeskanzler.  dpa/Kay Nietfeld

„Wer bei mir Führung bestellt, muss wissen, dass er sie dann auch bekommt.“ Diesen Satz trägt Olaf Scholz seit vielen Jahren offensiv vor sich her. Er sagte ihn 2009, als er für den Vorsitz der Hamburger SPD kandidierte und zwei Jahre später, als er zum Ersten Bürgermeister Hamburgs gewählt werden wollte. Auch im Wahlkampf vergangenen Sommer haben wir ihn gehört.

Es hat gewirkt. Scholz ist Kanzler. Und seine Ampel-Koalition hat viel vor. Klimaschutz, Digitalisierung, Sozialsystem – ein Aufbruch soll her. Ein Thema aber wird zunächst alles überstrahlen: die Coronakrise.

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Seit Wochen ist klar, dass sich die Pandemie einem brutalen Höhepunkt nähert. Die Schwelle von 100.000 Toten ist überschritten, Mediziner sprechen von Triage, die Virusvariante Omikron droht zu einer massiven Gefahr zu werden.

Die neue Regierung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Mitte).  dpa/Bernd Von Jutrczenka

Und was haben wir vom Kanzler bisher dazu gehört? Wo war sein vielzitierter Führungsanspruch? Noch vor seinem Amtsantritt lieferte Scholz eine erste große Enttäuschung. Er wartete ab, beobachtete, sondierte, beriet sich, vertröstete, kündige an, einen Expertenrat einzurichten, und er versicherte dabei immer wieder, wie bewusst ihm die Brisanz der Lage sei. O-Ton Scholz: „Wir werden alles tun, was nötig ist. Es gibt nichts, was nicht in Betracht gezogen werden kann.“ Mehr Worthülse geht nicht.

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Das muss jetzt endlich anders werden. Schnell. Wie soll jemals Aufbruch entstehen, wenn die Ampel immer so agiert wie in diesem Zusammenhang. Es ist traurig, dass der Glaube an die Tatkraft von Olaf Scholz bereits so gelitten hat. Nur deshalb nämlich ruhen so viele Hoffnungen auf Karl Lauterbach, dem neuen Gesundheitsminister. Die Menschen erwarten konsequentes Handeln: Einmal Führung, bitte, Herr Bundeskanzler!