Armee-Jacke und Panzer-Fahrt täuschten nicht darüber hinweg, dass Christine Lambrecht und Bundeswehr sich fremd blieben.
Armee-Jacke und Panzer-Fahrt täuschten nicht darüber hinweg, dass Christine Lambrecht und Bundeswehr sich fremd blieben. dpa/Philipp Schulze

Nein, Christine Lambrecht ist nicht schuld am Zustand der Bundeswehr. Den haben andere vor ihr verzapft. Was kein Wunder ist: Haben sich deutsche Politik und Gesellschaft doch bis zum Angriff der Russen auf die Ukraine kaum ums Militär geschert. Man richtete sich bequem in der zweiten Reihe der Nato ein, nonchalant wurde die Selbstverpflichtung ignoriert, zwei Prozent der Wirtschaftsleistung in die Verteidigung zu stecken. Bestenfalls mokierte man sich über die Truppe, die das mit Recht übel nahm.

Fettnäpfchen und Skandälchen waren nicht das Hauptproblem

Lambrecht aber schaffte es zusätzlich, wie ein Fremdkörper in der Welt des Militärs zu wirken, und sich bis zuletzt zum Gespött zu machen. Belassen wir es bei Hinweisen auf das 5000-Helme-Versprechen an die Ukraine und auf die weinerliche Begründung ihres Rücktritts.

Der eigentliche Lambrecht-Skandal war das Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit. Wer von militärischer Führungsrolle Deutschlands schwadroniert, hat angesichts der Einsatzfähigkeit der Bundeswehr keinen Bezug zur Realität mehr. Gleichzeitig war nicht zu erkennen, wie die vom Bundeskanzler vor knapp einem Jahr ausgerufene „Zeitenwende“ samt 100-Milliarden-Euro-Sonderfinanzierung der Truppe funktionieren sollte. 

Anforderungen an die Nachfolge

Der französische Premier Georges Clémenceau (1841-1929) soll gesagt haben: „Krieg ist eine zu ernste Angelegenheit, als dass man ihn dem Militär anvertrauen könnte.“ Daran sollte sich der Kanzler bei der Nachfolge Lambrechts orientieren. 

Das Verteidigungsministerium braucht keinen expliziten Militärkenner an der Spitze. Es braucht einen durchsetzungsfähigen Verwalter, der die absurde Beschaffungsbürokratie strafft, die verquasten Führungsstrukturen ordnet, der Truppe eine Zukunftsperspektive eröffnet. Und menschlich in der Lage ist, mit Soldaten aller Hierarchie-Ebenen so umzugehen, dass sie sich ernst genommen fühlen.