Grünen-Finanzpolitikerin Lisa Paus soll neue Bundesfamilienministerin werden. dpa/Bernd von Jutrczenka

Wenige Tage nach dem Rücktritt von Anne Spiegel (Grüne) als Familienministerin steht die Nachfolge offenbar fest. Die Berliner Grünen-Finanzpolitikerin Lisa Paus soll das Amt übernehmen, wie dpa berichtet.

Lisa Paus zählt zum linken Grünen-Flügel

Paus wird wie Spiegel dem linken Parteiflügel zugerechnet. Sie ist 53 Jahre alt, stammt aus Nordrhein-Westfalen und sitzt seit 2009 im Bundestag.

1988 war Paus zum Studium nach Berlin gekommen. Von 1999 bis 2009 war sie Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses.

Sie hat jahrelange Erfahrung in der Finanz- und Wirtschaftspolitik gesammelt, gilt aber auch als einer der führenden Köpfe hinter dem grünen Konzept für eine sogenannte Kindergrundsicherung.

Kindergrundsicherung wird zentrales Projekt als Familienministerin

Deren Einführung wird auch für die neue Familienministerin das wichtigste Projekt sein. Sie ist eines der zentralen Vorhaben der Ampel-Koalition. In der Kindergrundsicherung sollen die bisherigen finanziellen Unterstützungsleistungen des Staates für Kinder gebündelt und durch einen Grundbetrag für alle Kinder ab der Geburt ersetzt werden.

Wegen der Komplexität des Themas – es geht um Kindergeld, Hartz IV, Steuerfragen und vieles mehr – wurde zunächst eine Arbeitsgruppe mit Fachleuten aus dem Familienministerium und den Bundesministerien für Finanzen, Justiz, Arbeit, Bildung und Wohnen gebildet. Sie soll die Details erarbeiten.

Spiegel hatte ihren Rücktritt angekündigt, nachdem bekannt geworden war, dass sie kurz nach der Flutkatastrophe im vergangenen Sommer in einen vierwöchigen Familienurlaub gefahren war. Sie war damals rheinland-pfälzische Umweltministerin und damit für das Krisenmanagement mit verantwortlich.

Parteichefin Ricarda Lang hatte im Vorfeld klargemacht, dass eine Frau auf Spiegel folgen solle und Kompetenz ein wichtiges Kriterium sei. Für die Grünen ist allerdings auch die Zugehörigkeit zu einem der Flügel, Realos oder Linke, ein wichtiges Kriterium. Drei der fünf grünen Bundesminister sind nun auch künftig Realos, zwei gehören damit ebenso wie Spiegel dem linken Flügel an.