Junge Männer in Sierra Leone schleppen Getreidesäcke  - Hungerhilfe des Welternährungsprogramms, abgeworfen von einem Hubschrauber.   Foto: Michael Duff / AP

Hunderte Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr auf der Welt Hunger gelitten. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP, World Food Programme) hat in vielen Fällen „Erste Hilfe“ geleistet, aber kümmert sich auch mit Partnern in unzähligen Projekten dafür gesorgt, dass Menschen wieder selbst für ihre Ernährung sorgen können. Dafür erhielt die 1961 gegründete Organisation jetzt den Friedensnobelpreis.

Das norwegische Nobelkomitee nannte als Begründung, die UN-Organisation habe sich nicht nur im Kampf gegen den Hunger, sondern auch zur Verbesserung der Friedensbedingungen in Konfliktgebieten ausgezeichnet. „Dies ist ein stolzer Moment“, sagte der Sprecher des WFP, Tomson Phiri. Der Preis sei eine Anerkennung sowohl für die Mitarbeiter als auch die vielen freiwilligen Helfer in aller Welt. „Wir haben auch in diesem Jahr geliefert und mehr als unsere Pflicht erfüllt.“

Zu wenig Geld gegen den Hunger

Das ist schwer: Immer wieder leidet das  WFP an Geldmangel, weil die UN-Mitgliedsstaaten knausern. Es hat keinen festen Etat, nur rund 60 Staaten spenden regelmäßig. Deshalb - zuletzt wegen der Not im Bürgerkriegsland Jemen - gibt es häufig Hilferufe. Deutschland ist das zweitgrößte Geberland nach den USA, überwies 2020 bislang 750  Millionen Euro.

2019 hat die Organisation 97 Millionen Menschen in 88 Ländern erreicht. Jeden Tag seien rund 5000 Lkw, 20 Frachter und 92 Flugzeuge für WFP im Einsatz, um  Nahrungsmitteln und andere Hilfsgütern zu liefern. Pro Jahr umfasse die WFP-Ernährungshilfe circa 12,6 Milliarden Mahlzeiten. Eine Portion kostet durchschnittlich 0,25 Euro.

Vertriebene im Jemen holen in einer Schule mit Schubkarren Lebensmittel, die das WFP geliefert hat.   Foto: AP Photo/Hani Mohammed

Das WFP mit Hauptquartier in Rom ist die schnelle Eingreiftruppe der Hungerhilfe, wenn wegen Krieg, Vertreibung, Naturkatastrophen oder Seuchen Menschen nichts zu essen haben - beispielsweise im Jemen, in Syrien, im Kongo oder in Afghanistan. Sie beschafft Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais, Bohnen oder Speiseöl, verteilt sie selbst oder vor allem mithilfe von Organisationen wie Care oder der deutschen Welthungerhilfe. Knapp 19 Millionen Euro gibt das WFP beispielsweise mit der Welthungerhilfe aus, um 2020 im Westen des Sudan, wo lange Bürgerkrieg herrschte, rund 250.000 Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen.  

Mit einer Videobotschaft aus dem westafrikanischen Niger, wo er gerade unterwegs ist, bedankte sich WFP-Direktor David Beasley für den Friedensnobelpreis. Das WFP kann die Dotierung von 950.000 Euro gut brauchen. Foto: AP

Weltweit beteiligt sich das WFP  mit Kofinanzierungen von Hilfsprojekten, die dafür sorgen, dass Menschen  nicht mehr auf Unterstützung angewiesen sind: Durch Wiederbelebung von Ackerbau und  Viehzucht oder durch die Gründung kleiner Unternehmen. Im Irak beispielsweise werden von WFP und Welthungerhilfe 1,3 Millionen Euro aufgewendet, um von der Terrormiliz IS vor Jahren vertriebene Heimkehrer zu unterstützen, vor allem Frauen und Älteren: Ihnen wird geholfen, Gemüsegärten anzulegen, Brotöfen zu errichten oder zu lernen, wie man Kleinvieh hält.  

Laut Welthungerhilfe litten 2019 rund 690 Millionen Menschen an akuter Unterernährung in einer Hungersnot oder - zu über 90 Prozent - an chronischem Hunger. In diesen Fällen haben sie in der Regel zu wenig Geld, um Lebensmittel in ausreichender Menge zu kaufen.