Die Abschaffung der EEG-Umlage soll Strom eigentlich billiger machen. Aber was sparen wir unterm Strich wirklich?
Die Abschaffung der EEG-Umlage soll Strom eigentlich billiger machen. Aber was sparen wir unterm Strich wirklich? dpa/Andrea Warnecke

Die Bundesregierung feiert sich derzeit selber für ihre vermeintlich „erhebliche Entlastung“ durch die Abschaffung der EEG-Umlage: Von Freitag (1. Juli) an müssen Stromkunden die Förderung des Ökostroms nicht mehr über die Stromrechnung zahlen. Doch was kommt beim Kunden wirklich davon an? KURIER rechnet vor.

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Worum geht es bei der Abschaffung der EEG-Umlage?

Die Umlage über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde im Jahr 2000 eingeführt, um die Förderung von Wind- oder Solaranlagen zu finanzieren. Bisher beträgt sie 3,72 Cent pro Kilowattstunde. Eigentlich sollte die Umlage erst Anfang 2023 abgeschafft werden, die Koalition zog dies aber wegen der rasant gestiegenen Energiekosten vor. Das soll Verbraucher entlasten sowie Firmen, die bisher die volle Umlage zahlen. Stromkostenintensive Firmen müssen nur eine reduzierte Umlage zahlen. Damit die Absenkung der Umlage von den Energieversorgern an die Verbraucher weitergeben wird, gibt es gesetzliche Vorgaben.

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Was bringt die Abschaffung der EEG-Umlage unterm Strich?

„Leider ist die mit dem Ende der EEG-Umlage verbundene Senkung der Strompreise um 3,7 Cent zum 1. Juli angesichts der derzeitigen Entwicklungen an den Energiemärkten kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagte Kerstin Andreae, Chefin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Die Preise im Stromgroßhandel seien in den vergangenen eineinhalb Jahren extrem gestiegen, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine verschärfe die Situation weiter.

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Experten bezweifeln, dass Verbraucher durch die Abschaffung der EEG-Umlage spürbar entlastet werden.
Experten bezweifeln, dass Verbraucher durch die Abschaffung der EEG-Umlage spürbar entlastet werden. dpa/Federico Gambarini

Also verpufft der Effekt der Abschaffung der EEG-Umlage ähnlich wie beim Tankrabatt?

Die Abschaffung der EEG-Umlage entlastet die privaten Haushalte in diesen schwierigen Zeiten zumindest ein Stück weit, zumal die Mehrwertsteuer anteilig sinke, sagte Thomas Engelke, Energieexperte im Verbraucherzentrale Bundesverband. In einem Haushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 3500 Kilowattstunden beläuft sich die Ersparnis netto auf rund 130 Euro pro Jahr. On top kommt aber noch die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent. Macht in Summe eine Ersparnis von 155 Euro, knapp 13 Euro pro Monat. Die Bundesregierung spricht sogar davon, dass eine vierköpfige Familie rund 300 Euro pro Jahr sparen können soll.

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Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn mittel- bis langfristig wirke das Aus der EEG-Umlage allenfalls preisdämpfend, denn die Strompreise befinden sich seit Herbst letzten Jahres im kontinuierlichen Aufwärtstrend, so Thorsten Storck, Energieexperte beim Vergleichsportal Verivox. „Spätestens zum Jahreswechsel rechnen wir erneut mit flächendeckenden Strompreiserhöhungen für Millionen Haushalte.“

Wird Strom also doch nicht billiger?

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass Stromanbieter nach der EEG-Abschaffung trotzdem den Strompreis erhöhen. Seriös wäre es aber nicht, wenn Anbieter dies kurz nach der Abschaffung der EEG-Umlage tun würden“, warnt Thomas Engelke.

An der Börse hätten sich die Strompreise durch steigende Kohle-, Gas- und CO2-Preise erhöht, fossile Energien machten den Strom teuer, sagte die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. „Stromunternehmen werden diese Preissteigerungen überproportional weitergeben, sodass die Absenkung der EEG-Umlage lediglich dazu führen wird, dass die Strompreise weniger stark steigen werden.“