Trotz Verbots haben noch viele Handelsketten Einweg-Plastiktüten im Angebot. dpa/Moritz Frankenberg

Ob Edeka, Netto, Norma oder Rossmann – etliche Händler haben trotz Verbot noch immer Einweg-Plastiktüten im Angebot, ergab eine Umfrage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) unter den 13 größten deutschen Lebensmitteleinzelhändlern und Drogerien. Mit einem einfachen Trick schaffen sie es nämlich, das gesetzliche Verbot zu unterlaufen, so die DUH. Denn weil sich dieses Verbot nur auf Plastiktüten mit einer Wandstärke von 15 bis maximal 49 Mikrometern bezieht, bieten sie nun solche an, deren Wandstärke minimal darüber liegt.

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Mit Wandstärken zwischen 50 oder 60 Mikrometern fallen die Plastiktüten aus dem gesetzlichen Regelungsbereich, sind aber weiterhin umweltschädliche Einweg-Produkte. Die Deutsche Umwelthilfe fordert deshalb Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) dazu auf, das Plastiktütenverbot nachzubessern. Wenn Kunststoff-Tragetaschen angeboten werden, dann muss es zweifelsfrei Mehrweg sein.

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Händler reden ihre Plastiktüten mit Mehrweg-Slogans schön

Der Drogeriemarkt Müller treibe diese Umgehung der Vorschriften laut DUH in absurder Weise auf die Spitze. Mit 50 Mikrometern sind seine Tüten genau einen Mikrometer oder besser gesagt 0,001 Millimeter dicker als die verbotene Wandstärke. Die Politik darf sich vom Handel nicht vorführen lassen, fordert die DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

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Besonders dreist seien auch Werbeaussagen der Handelsketten, die Einweg-Plastiktüten trotz erwartbar kurzer Nutzungsdauer als Mehrweg-Produkte bezeichnen. Händler wie Norma, Rossmann und Edeka versuchen, ihre unökologischen Tüten durch entsprechende Mehrweg-Slogans schönzureden, kritisiert Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft bei der DUH.

Andere Ketten wie Lidl und Aldi haben Plastiktüten verbannt

Dass es auch ohne Einweg-Plastiktüten geht, zeigen die Händler Kaufland, Lidl, Rewe, Penny, Aldi Nord und Süd, die Plastiktüten verbannt haben. In einer ersten Stellungnahme mahnte Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) die Betreiber von Supermärkten und Drogerien deshalb, sich ans geltende Plastiktütenverbot zu halten. Sie sollten ihren Beitrag zur Eindämmung der Einweg-Plastikflut leisten und „Schummeltüten“, mit denen das Verbot umgangen werde, schnell aus dem Sortiment entfernen, sagte Lemke in Berlin.

Seit dem 1. Januar 2022 sind Einweg-Plastiktüten in Deutschland verboten. Darunter fallen Beutel mit einer Wandstärke von 15 bis maximal 49 Mikrometer – auch sogenannte „Bioplastiktüten“, die keine umweltfreundliche Alternative zu sonstigen Plastiktüten darstellen.

Ausgenommen von der Verbotsregelung sind dünne Einweg-Plastiktüten zum Einpacken von Obst und Gemüse, sogenannte Hemdchen- oder Knotenbeutel mit weniger als 15 Mikrometern Wandstärke.