E-Fuels könnten in Verbrenner-Motoren auch nach 2035 verwendet werden. Doch ist das wirklich umweltfreundlich? dpa/Tom Weller

Dem Verbrennungsmotor droht in Europa bis 2035 das Aus – so beschloss es zumindest das EU-Parlament. Kommende Woche werden die EU-Mitgliedstaaten über das Verbot streiten. Denn manche, wie auch die FDP in Deutschland, hoffen derweil, dass zumindest synthetische Kraftstoffe weiterhin genutzt werden können. Doch sind diese sogenannten E-Fuels wirklich umweltfreundlich? Eine neue Studie weckt da große Zweifel …

Denn laut der Untersuchung sorgen Autos, die mit synthetischen Kraftstoffen (E-Fuels) betrieben werden, auf ihre gesamte Lebensdauer gerechnet im Vergleich zu herkömmlichen Benzin- oder Dieselfahrzeugen nur für minimale Einsparungen an CO2-Emissionen.

In der Studie der Expertenrunde „Transport and Environment“ (T&E) wurden die Emissionen eines kompletten Lebenszyklus von Autos berechnet, die im Jahr 2030 gekauft werden, inklusive Herstellung und Betrieb. Ein Fahrzeug, das mit einer Mischung aus E-Fuels und Benzin angetrieben wird, würde seine Emissionen im Vergleich zu konventionellen Kraftstoffen nur um 5 Prozent reduzieren.

T&E ist die Dachorganisation von 53 nichtstaatlichen europäischen Organisationen, die sich für einen nachhaltigen Verkehr einsetzen, darunter auch der Verkehrsclub Deutschland.

Elektrofahrzeug ist 53 Prozent sauberer

Ein Elektrofahrzeug, das nur mit einer Batterie und Elektromotor angetrieben wird, würde dagegen über seinen Lebenszyklus 78 Prozent weniger Emissionen verursachen als ein Verbrenner. Berechnungsgrundlage für den CO2-Abdruck bei Herstellung und Betrieb der Batterieautos war der durchschnittliche EU-Strommix, der für 2030 vorhergesagt wird.

Auch ein Fahrzeug, das mit reinem E-Fuel betrieben wird, der mit erneuerbarem Strom hergestellt wird, würde über seinen Lebenszyklus mehr emittieren als das Elektroauto, zeigt die Analyse. Ein Elektrofahrzeug wäre 53 Prozent sauberer als ein Verbrenner mit synthetischen Kraftstoffen. Dies sei vor allem auf Verluste in der E-Fuel-Herstellung und den ineffizienten Verbrennungsmotor zurückzuführen.

E-Autos weit effektiver als Verbrenner

Ein batterieelektrischer Volkswagen ID.3 kommt der Analyse zufolge mit derselben Menge erneuerbarer Energie fünf mal weiter als ein VW Golf, der mit E-Fuel betrieben wird. Ein BMW i4 könnte sechsmal weiter fahren als ein BMW 4er mit Verbrennungsmotor.

Mit den Ergebnissen nimmt T&E der FDP den Wind aus den Segeln, die gegen ein komplettes Aus des Verbrennungsmotors ab 2035 kämpfen. Die Liberalen wie auch andere Befürworter sehen den Einsatz von E-Fuels insbesondere in Regionen als gute Alternative, wo Ökostrom zum Betrieb fehlt oder schlicht das Geld zum Kauf neuer E-Autos. Die Liberalen fordern, dass auch nach 2035 Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor neu zugelassen werden können, wenn diese nachweisbar nur mit E-Fuels betankbar sind.