Die Autoindustrie wird derzeit kräftig vom Chipmangel ausgebremst.

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Weltweit ächzt die Automobilindustrie unter dem Mangel an Computerchips und Halbleitern. Der Autobauer Opel lässt wegen der Chipkrise sogar ab kommende Woche monatelang die Produktion in seinem Werk in Eisenach ruhen. Und ob der Höhepunkt der Krise schon erreicht ist, ist ungewiss.

Doch der Chipmangel wird die Autobranche womöglich noch stärker treffen als befürchtet. Nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC werden 2021 weltweit bis zu elf Millionen Autos weniger produziert und verkauft als im Vorjahr, wie der „Spiegel“ am Freitag berichtete. Hintergrund sei vor allem der Mangel an Halbleitern, hinzu komme die Knappheit an Rohstoffen wie Stahl.

Ende des Chip-Mangels nicht absehbar

Zu einer ähnlich düsteren Prognose kommt auch Albert Waas von der Beratungsgesellschaft Boston Consulting. Vor einem Monat war Waas für 2021 noch von weltweiten Produktionsausfällen von sieben bis acht Millionen Autos ausgegangen. Für das kommende Jahr rechnet Boston Consulting nun global mit einem Minus von fünf Millionen Autos.

Produktionsverlagerungen nach China drohen

Mit einer kurzfristigen Erholung ist demnach nicht zu rechnen. „Wir werden in Europa nicht mehr die Produktionszahlen erreichen, die wir vor der Krise hatten“, sagte der Experte. Zwar gehe er nicht von einer Welle von Fabrikschließungen aus, weitere Verlagerungen nach Osteuropa und China erwarte er aber schon.

„Die Probleme haben sich im dritten Quartal verschärft und werden bis weit in das nächste Jahr andauern“, sagte der Autoexperte Felix Kuhnert von PwC dem „Spiegel“. Auch eine vierte Corona-Welle könne den Absatz in einigen Märkten drosseln.

Autobauer drosseln Produktion

Aus bereits vorliegenden gesicherten Daten bis Mitte September ergibt sich dem Bericht zufolge, dass allein im dritten Quartal 3,8 Millionen Fahrzeuge weniger ausgeliefert werden dürften. Auch im Schlussquartal werde sich der Ausfall auf mehr als drei Millionen summieren, schätzt PwC dem Magazin zufolge.

Am Donnerstag hatte der Autobauer Opel angekündigt, wegen der Chipkrise die Produktion in seinem Werk in Eisenach für den Rest des Jahres komplett zu stoppen. Auch beim Autobauer Ford gibt es weitere Einschränkungen im Werk Köln.

Das Beratungsunternehmen AlixPartners hatte in der vergangenen Woche eine Schätzung veröffentlicht, wonach in diesem Jahr wegen des Chipmangels 7,7 Millionen Autos nicht produziert werden können. Von der Krise seien besonders die Zuliefererbetriebe betroffen, weil sie anders als die Autobauer den Produktionsausfall kaum durch Preissteigerungen kompensieren könnten.