Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité. Foto: dpa/Fabrizio Bensch

Die Zahl der Neuinfektionen sinkt deutlich und die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der neuen Fälle pro 100.000 Einwohner und Woche, liegt mit 115,3 auf dem niedrigsten Stand seit 1. November. Einen „leicht positiven Trend“ sieht deshalb der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, bei der Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland.

Derzeit würden die Zahlen der Neuinfektionen in den meisten Bundesländern sinken, sagte Wieler am Freitag in Berlin. Dies seien Erfolge des Lockdowns – es dürfe nun aber nicht nachgelassen werden.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nannte die Zahlen der vergangenen Tage ermutigend, sie seien aber „immer noch auf zu hohem Niveau“. Ebenso hoch liegen weiterhin die Todeszahlen. Mittlerweile sind laut RKI mehr als 50.000 Menschen in Deutschland an oder mit Corona gestorben. „Eine bedrückende, für mich schier unfassbare Zahl“, sagte Wieler.

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Was in dieser Lage ein verfrühtes Ende der Corona-Maßnahmen bedeuten würde, machte der Berliner Virologe Christian Drosten drastisch deutlich. „Wenn die alten Menschen und vielleicht auch ein Teil der Risikogruppen geimpft sein werden, wird ein riesiger wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer und vielleicht auch rechtlicher Druck entstehen, die Corona-Maßnahmen zu beenden“, sagte er dem Spiegel.

„Und dann werden sich innerhalb kurzer Zeit noch viel mehr Leute infizieren, als wir uns das jetzt überhaupt vorstellen können. Dann haben wir Fallzahlen nicht mehr von 20.000 oder 30.000, sondern im schlimmsten Fall von 100.000 pro Tag.“

Das seien dann zwar eher jüngere Menschen, aber wenn sich sehr viele davon infizieren, seien die Intensivstationen trotzdem wieder voll und es gäbe trotzdem viele Tote. „Dieses schlimme Szenario könnten wir etwas abfedern, wenn wir die Zahlen jetzt ganz tief nach unten drücken.“

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Drosten geht zudem nicht davon aus, dass der kommende Sommer in Bezug auf Corona ähnlich wird wie der vergangene. „Dass wir 2020 einen so entspannten Sommer hatten, hatte wahrscheinlich damit zu tun, dass unsere Fallzahlen im Frühjahr unter einer kritischen Schwelle geblieben sind. Das ist inzwischen aber nicht mehr so.“

Er fürchte, dass es eher so sein wird wie in Spanien, wo im Sommer die Fallzahlen nach Beendigung des Lockdowns schnell wieder gestiegen seien, obwohl es sehr heiß war.